Vom Nebel über den Gunten aufs Stockerl

Zwar habe ich nach wie vor nicht vor, ambitionierter SkitourenRENNLÄUFER zu werden, trotzdem habe ich mir vorgenommen in diesen Winter bei ein paar Wettkämpfen zu starten. Als Mitglied im Flütsch Skitouring Team gehört das dazu und ausserdem fühle ich mich im Moment ganz gut auf den schmalen Latten.
Zunächst war geplant, die Wettkampfsaison bei der Ramskull Trophy am letzten Januarwochenende zu beginnen. Weil mein Arbeitskollege (und Teampartner beim Adamello Skiraid) Reto Hidber und 2 weitere Flütsch-Teamläufer beim traditionellen Guntenlauf im Bregenzer Wald starten, habe ich mich entschlossen auch mitzumachen. Zumal heuer die komplette Strecke auf den Skieren zurückgelegt werden kann. Bei einer Höhe von gerade einmal 500 m am Start nicht selbstverständlich!

Immer mit der Ruhe!

Auf der Anfahrt zum Start in Dornbirn kommt noch keine grosse Freude bei Reto und mir auf. Etwa bei der Grenze zu Liechtenstein werden wir vom dichten Nebel verschluckt. Es sieht jetzt richtig ungemütlich aus. Ungemütlich kalt ist es zwar auch noch beim Start, aber schon jetzt lichtet sich der Nebel und man kann den strahlenden Sonnenschein, der uns über der Inversion erwartet, schon erahnen. Ich freue mich jetzt richtig auf das Rennen! Natürlich bin ich auch etwas nervös, aber es hilft mir, dass ich mir fest vorgenommen habe, mich von der Hektik am Start nicht verrückt machen zu lassen. Das hat mich nämlich bei meinem ersten Skitouren-Wettkampf, dem Pizol Altiski, völlig aus dem Konzept gebracht. Wie von der Tarantel gestochen ist das ganze Teilnehmerfeld losgerannt (ja, gerannt) und hat beim Beginn der Spur um die beste Position gekämpft. Im Sommer bei den Ultratrails wird natürlich auch viel zu schnell gestartet, aber Platzprobleme gibt es in der Regel nicht und zudem weiss ich da auch, dass sich das Tempo spätestens nach ein, zwei Stunden von allein normalisiert. Bei den kurzen Skitourenrennen ist das natürlich nicht so. Da wird von Anfang bis Ende Vollgas gegeben.

Der erste Plan geht auf…

Mein Plan funktioniert, ich finde schnell meinen Rhythmus. Was mir hilft ist einerseits das kleine Teilnehmerfeld (was natürlich schade für den Veranstalter ist) und andererseits die ersten 500 Meter, während denen die Skier getragen werden müssen. So hat sich das Feld schon auseinander gezogen als die Spur beginnt.
Was mich schwer beeindruckt ist das Tempo vom Nationalteam-Läufer Philipp Schädler und Manuel Seibald, der tags zuvor den hart umkämpften Nightattack gewonnen hat. Das ist eine ganz andere Liga. Ich bin trotzdem zufrieden wie es beim ersten, recht stotzigen Anstieg läuft. Die Beine fühlen sich gut an, ich kann den einen oder anderen Läufer überholen und komme mit der zum Teil glasigen Aufstiegsspur gut zurecht.

Im ersten Aufstieg

So erreiche ich das Hochälpele an einer guten 6. Position. Das Abfellen funktioniert für meine Verhältnisse auch sehr gut, trotzdem verliere ich hier viel Zeit, die ich auf der Abfahrt und den zahlreichen Flachstücken wieder gut machen muss. Es ist zwar wunderschön durch die winterliche Hochebene in Richtung Gunten zu gleiten, für meinen Geschmack ist es aber etwas zu viel Langlaufen und zu wenig Skibergsteigen. Aber das gehört zum Guntenlauf halt dazu. Der fantastische Anstieg zum Gunten inklusive Grat und die folgende Abfahrt im feinsten Pulver machen das aber mehr als wett. Unterm Strich eine richtig coole Strecke!

…und der 2. Plan auch!

Auf dem leider immer noch flachen Rückweg hänge ich mich an den Tessiner Mirco Perangher . Das Tempo ist angenehm, aber ich spüre, dass ich noch Reserven habe. Ich beschliesse deshalb erst mal hinter ihm zu bleiben, meine Kräfte zu sparen und ihn dann beim letzten Anstieg zu überholen. Auch der Plan geht auf und ich komme absolut happy im Ziel an. Das Rennen hätte nicht besser laufen können und viel wichtiger: es hat mir richtig Spass gemacht!
Doch es kommt noch besser: als ich nach der Platzierung frage, heisst es ich sei auf das Stockerl gelaufen. Wahnsinn!

Auf den Fersen von Mirco Perangher

Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich die Platzierung nicht zu hoch bewerten darf. Die ganzen Top-Läufer aus der Region waren nicht am Start und der haushohe Favorit, Philipp Schädler, musste wegen eines gebrochenen Skis aufgeben.

Wirklich schade ist, dass die Organisatoren um Klaus Drexel bei der Siegerehrung verkündet haben, dass sie von ihrem Ehrenamt zurücktreten werden. Wenn also kein neues Organisationsteam den Job übernimmt, war die diesjährige 20. Ausgabe des Guntenlaufs gleichzeitig die letzte. Das wäre wirklich jammerschade und ich hoffe, dass es Nachfolger geben wird.

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Bilder: Madlen Flütsch / Veranstalter

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