Transvulcania zum Zweiten!

2014 vs. 2016

Genau 2 Jahre ist es jetzt her, seit ich diesen perfekten Tag auf La Palma erleben durfte. Ja, es war wirklich ein perfekter Tag! Ich war topfit und konnte völlig unbedarft an den Start dieses mittlerweile legendäre Rennens gehen. Es lief dann auch wie am Schnürchen. Nach einem verhaltenen Start bin ich in einen richtigen Laufrausch geraten und konnte das Feld von hinten aufrollen. Keinen nennenswerten Durchhänger, keine Quälerei.

Ian Corless 02

Emotionaler Zieleinlauf 2014

In diesem Jahr sieht die Welt etwas anders aus. Trotz des Erfolgs beim Leifers Trail bin ich nicht sicher, ob ich so kurz nach der Tourenskisaison in der Form bin um eine ähnliche Leistung wie vor 2 Jahren zu erreichen. Aber was mich viel mehr belastet ist, dass ich plötzlich als Top-Läufer gehandelt werde. Es ist natürlich eine grosse Ehre bei Ian Corless oder Irunfar im „Race Preview“ erwähnt zu werden, doch gleichzeitig setzt mich das unter enormen Druck. Ich kann mich nicht mehr einfach auf das grosse Abenteuer Transvulcania freuen, sondern habe auch das Gefühl am Wettkampftag die Leistung erbringen zu müssen, die von mir erwartet wird.
Ich versuche so gut es eben geht ruhig zu bleiben und mich auf den Wettkampf zu konzentrieren. Trotzdem ziehen sich die 4 Tage vor dem Wettkampf auf der Insel und die Anspannung wächst und wächst. Am Freitagabend bin ich so froh die Vor-Wettkampfzeit endlich überstanden zu haben. Es hätte keinen Tag länger gehen dürfen.

Warmlaufen auf dem Vulkan Bild: Philipp Reiter

Warmlaufen auf dem Vulkan
Bild: Philipp Reiter

Immer noch früh, aber entspannter

Als der Wecker um 3:00 Uhr klingelt, bin ich schon wach. Nicht weil ich eine schlaflose Nacht hinter mir hätte, sondern weil mich meine innere Uhr pünktlich aufgeweckt hat. Ein Phänomen, das mich schon mehrfach erstaunt hat. Ich sehe es als gutes Zeichen. Mein Körper scheint bis ins Unterbewusstsein auf den bevorstehenden Tag vorbereitet zu sein.
Mit Heisshunger und Hochgenuss (haha!) würge ich mein Frühstück runter und trinke meinen Kaffee. Dieses Ritual ist mir wirklich wichtig. Nicht unbedingt wegen der Energie, sondern um meinem Körper vorzugauckeln, dass ganz normale Frühstückszeit herrscht. Es scheint zu funktionieren, denn danach fühle ich mich meistens hellwach – auch wenn es wie jetzt halb vier in der Nacht ist.
Heute habe ich das Glück von meiner Schwester zum Start gefahren zu werden. Immerhin eine halbe Stunde später können wir so los fahren. Mit im Auto sitzt Dominik, der Freund von meiner Schwester. Auch er ist in Wettkampfmontur, da er beim Halbmarathon an den Start gehen wird. Das ist schon besser als im Bus zu sitzen und die Mischung aus Perskindol und Angstschweiss einzuatmen 😉
Beim Leuchtturm ist natürlich wieder die Hölle los, aber dieses Mal weht nur ein laues Lüftchen und es versuchen nicht alle Läufer sich in die wenigen windgeschützten Orte zu quetschen. Sonst hat sich nichts geändert. Es herrscht diese spezielle Stimmung – eine Mischung aus Nervosität und Vorfreude an diesem besonderen Ort. Das muss man mal erlebt haben!

Gleich geht'slos! Bild: Philipp Reiter

Gleich geht’s los!
Bild: Philipp Reiter

Start verläuft nach Plan

Dieses Jahr darf ich mich in den vordersten Reihen im Startblock einreihen. Das ist zweifellos ein Luxus, denn so ist der Start viel weniger hektisch. Auch in den ersten Kehren auf dem sandigen Pfad läuft es sich viel entspannter und ich finde schnell meinen Rhythmus. Das Tempo beim Anstieg nach Los Canarios ist flott, aber nicht übertrieben schnell. Ich wundere mich, dass die richtige Elite (Sage, Luis Alberto, usw.) nicht schon davon laufen. Nach der ersten Verpflegung ändert sich das. Ich habe das Gefühl, dass ein Gang hoch geschaltet wird. Ich habe natürlich keinen 6. Gang, bleibe also im 5. Aber das ist völlig ok, das Gefühl bleibt gut. Zumal jetzt auch wieder die Sonne in der Vulkanlandschaft des Las Deseadas aufgeht und man diesen gigantischen Ausblick auf den Teide hat. Dieses Bild hat sich nach dem letzten Transvulcania in mein Gedächtnis eingebrannt und ist auch beim 2. Mal unbeschreiblich schön!

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Gigantische Morgenstimmung

Der Kampf beginnt

Die ersten 2000 hm wären geschafft, jetzt heisst es auf dem Downhill nach El Pilar so gut es geht Kräfte sammeln für das Forstweg-Bolzen nach El Reventon und die nächsten 2000 hm bis zum Roque de los Muchachos. Auf dem Forstweg läuft es noch erstaunlich gut, aber beim folgenden Aufstieg ist es dann vorbei mit der Leichtigkeit. Natürlich ist es keine Schande das Tempo von Andy Symonds nicht mehr folgen zu können, für den Kopf ist es trotzdem schlecht und ich muss jetzt richtig kämpfen. Ich erinnere mich daran wie ich 2014 in diesem Streckenabschnitt Timothy überholt habe, versuche mich dadurch zu motivieren. Aber so richtig will das nicht klappen. Zu allem Überfluss müssen wir jetzt auch den Weg am Grat verlassen, runter zur 5. Verpflegungsstelle laufen und dann wieder retour auf die Originalstrecke. Dieser Extrakilometer mit den zusätzlichen 150 Höhenmetern mag aus logistischen Gründen Sinn machen, ich finde ihn trotzdem ätzend. Mal abgesehen davon, dass man so die Zeiten mit den letzten Jahren nicht ohne Weiteres vergleichen kann. Liebe Veranstalter: Bitte keine Streckenänderungen, wenn sie nicht zwingend erforderlich sind!!

Bald ist der höchste Punkt erreicht

Bald ist der höchste Punkt erreicht

Weiter geht es im ständigen Auf- und Ab in Richtung Roque de los Muchachos. Beim letzten Mal fand ich das einfach nur geil hier zu laufen, der höchste Punkt der Insel hat mich regelrecht angezogen. Dieses Mal begeistert mich der immer spektakulärer werdenden Ausblick zwar wieder, aber es bleibt ein Kampf. Das Observatorium will einfach nicht näher kommen. Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich es dann doch geschafft. Die Anfeuerungsrufe der Zuschauer tun gut und ich nehme mir ausreichend Zeit an der Verpflegungsstelle. Kräfte sammeln für den Endlos-Downhill runter ans Meer!

…und endet erst im Ziel

Zunächst komme ich nicht richtig ins Laufen. Mein Magen fühlt sich so voll an, vielleicht habe ich zu viel gegessen? Das Problem erledigt sich glücklicherweise ganz schnell nach einem kleinen Abstecher in die Büsche. Was für eine Erleichterung! Und jetzt läuft es auch wieder, das gute Gefühl kommt zurück. Trotzdem sind 2400 Tiefenmeter am Stück heftig. Vor allem der grobe Zickzack-Weg hinunter nach Tazacorte tut richtig weh, meine Oberschenkel schreien nach einem Ende der Tortur.

Der legendäre Downhill nach Tazacorte

Der legendäre Downhill nach Tazacorte

Aber zu Ende ist der Wettkampf in Tazacorte noch lange nicht. Es folgt noch der rumpelige Abschnitt durch das ausgetrocknete Flussbett und der fiese Schlussanstieg nach Los Llanos. Und ausgerechnet jetzt rufen mir die Zuschauer zu, dass der Fünftplatzierte weniger als eine Minute vor mir läuft, ich ihn noch einholen kann. Jeder Muskel meines Körpers will die letzten Kilometer ins Ziel so kraftschonend wie möglich hinter sich bringen. Aber natürlich geht das nicht, ich muss zumindest versuchen Chris Vargo noch einzuholen. Also quäle ich mich durch das Flussbett und kurz vor Los Llanos habe ich ihn tatsächlich überholt. Aber ich bin jetzt wirklich am Ende und bis ins Ziel sind es ja noch 1.5 km auf der kerzengeraden Hauptstrasse. Also nix mit Geniessen und Händeklatschen. Laufen, so schnell es eben noch geht. Leider hat Chris noch mehr Körner und sprintet kurz vor dem Ziel an mir vorbei. Ich kann nicht gegenhalten, das Aufholen im Aufstieg war zu kräftezehrend.
So bleibt es beim 6. Platz. Aber das spielt für mich überhaupt keine Rolle. 5. oder 6. Platz bei diesem Teilnehmerfeld ist mir so etwas von egal. Viel wichtiger ist, dass ich trotz der Extraschlaufe meine Zeit von 2014 unterboten habe. Ich habe dem Druck standgehalten und die Erwartungen erfüllt. Und das macht mich ungeheuer glücklich 🙂

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Emotionaler Zieleinlauf 2016

Vielen Dank an meine Schwester für den Fahrdienst in aller Herrgottsfrühe und die Unterstützung.

Gratulation an die anderen Transvulcanier aus Deutschland, Schweiz und Österreich! Ausserdem vielen Dank für die gemeinsame Zeit auf der Vulkaninsel!

Hier geht’s zum Move

One Reply to “Transvulcania zum Zweiten!”

  1. Geiles Rennen Stephan…Herzlichen Glückwunsch!
    Die letzten 1,5 km kamen Chris sicherlich nicht ungelegen. Da sind die Amerikaner sicherlich etwas im Vorteil…aber trotzdem eine megageniale Platzierung in diesem sehr starken Feld…und dass quasi direkt aus der Skitourensaion heraus.

    Die „extra Schleife“ war nötig, nachdem letztes Jahr auf diesem Abschnitt die Leute „eingegangen“ sind. Der Veranstalter sah sich also fast gezwungen etwas einzurichten, um schlimmeres zu vermeiden.
    Du hast aber Recht: Eine andere Lösung wäre, gerade im Bezug auf die Vergleichbarkeit der Jahre, wesentlich besser.

    Viele Erfolg für die weitere Saison…wir sehen uns sicher auch mal wieder irgendwo

    Viele Grüße aus Bad Reichenhall

    Steve

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