Transvulcania: So kann die Saison weitergehen!

Mehr als nur EIN Ultra…

Wer als Deutscher beim Transulcania teilnimmt, muss eigentlich 3 Ultras durchleiden: Vor und nach dem eigentlichen Ultramarathon steht nämlich die Hin- bzw. Rückreise an. Und die dauerte in unserem (uns, weil mich meine Schwester begleitet hat) Fall 16 Stunden. Es gab nämlich keine Direktflüge nach La Palma und so hiess es: 3 Stunden Anfahrt zum Münchener Flughafen, Flug 1 nach Madrid, Flug 2 nach Teneriffa und Flug 3 dann nach La Palma. Als wir um 20:30 Uhr im Hotel einchecken konnten, waren wir wirklich fix und foxi. Und das, obwohl ich mich kaum bewegt habe…

Der Tag vor dem Rennen

Zum Glück hatte ich noch einen Tag Zeit, um mich einerseits von der Anreise zu erholen und andererseits mich wenigstens halbwegs an die heissen Temperaturen zu gewöhnen. Zufälligerweise sind wir in dem Hotel abgestiegen, wo auch die Organisatoren ihr „Headquarter“ hatten und das Elite Briefing stattfand. Klar, dass mich die Neugier dort hingezogen hat, wann sonst kann man einen Blick auf die versammelte Trailrunning-Elite erhaschen? Da ich mein Salomon-Team-Shirt anhatte, wurde ich dann sogar in den für Otto-Normal-Trailrunner abgesperrten Raum geholt. Was für ein Gefühl! Auf der anderen Seite stieg dadurch die Aufregung ins Unendliche. Ja, Morgen wird ein sehr grosser, anstrengender Tag.

Beim Elite Briefing

Beim Elite Briefing

Humane Startzeit, unmenschliche Aufstehzeit

Die Startzeit um 6:00 Uhr ist eigentlich ganz human. Blöderweise ist der Start aber am südlichsten Zipfel der Insel, wo es keine Hotels gibt. Deshalb klingelte der Wecker bereits um 2:00 Uhr (!!!) am Morgen, weil die Busse für den Transport der Läufer um 3:00 Uhr abfuhren. Puuhh, das war schon heftig, aber zumindest war ich da noch so müde, dass sich die Aufregung in Grenzen hielt… Die kam jedoch schnell wieder, während ich eingezwängt von all den anderen Läufern, die Schutz vor dem peitschenden Wind suchten, im Leuchtturm kauerte und meine mitgebrachten Brötchen ass. Zwar bot das Hotel extra für die Läufer an, von 2:00 bis 3:00 Uhr zu frühstücken. Aber das war mir dann doch zu früh und ausserdem ging so die Warterei bis zum Start schneller vorbei.

Zusammen mit vielen anderen Läufern habe ich im stockdunklen Leuchtturm auf den Start gewartet.

Zusammen mit vielen anderen Läufern im stockdunklen Leuchtturm beim Warten auf den Start.

Endlich: es geht los!

Pünktlich um 5:00 Uhr hiess es dann: Einchecken für die Läufer in die Startzone. Blöd war nur, dass man diese nicht wieder verlassen durfte, es sei denn man stellt sich wieder ganz hinten an. Bei fast 1500 Teilnehmern wäre das keine gute Idee gewesen… Trotz frühem Einchecken und „aktivem“ Warten auf den Startschuss, waren die ersten 1 bis 2 Kilometer schrecklich: Wie Verrückte sind alle losgerannt und auf dem schmalen, steil aufsteigenden Pfad ging es zu wie auf dem Oktoberfest. Ein Gedränge und Gestosse, als ob der Wettkampf nur 10 Kilometer lang wäre… Aber bei den Meisten war dann schnell die Luft draussen und das Teilnehmerfeld zog sich zunehmend in die Länge und ich bekam wieder Luft zum Atmen.

Immer wieder beeindruckende Bilder beim Start (© Ian Corless)

Immer wieder beeindruckende Bilder beim Start (© Ian Corless)

Das Rennen

Der erste Anstieg war ziemlich brutal. Nicht unbedingt weil man knapp 2000 hm am Stück bewältigen musste, sondern wegen dem sandigen Untergrund, in dem die ganze Energie zu verpuffen schien. Aber es hatten alle Läufer mit diesen Bedingungen zu kämpfen und offensichtlich kam ich gut mit den Verhältnissen zurecht, da ich Position um Position gut machen konnte.

Erfreulicherweise sollte das während des ganzen Rennens so bleiben. Sicher, ich hatte an diesem Tag ausserordentlich gute Beine, aber wenn man in einer derart beeindruckenden Landschaft internationale Grössen wie Timothy Olsen, Dakota Jones oder Tom Owens überholt, beflügelt das zusätzlich. Und so war auch die immer unerträglicher werdende Hitze eben doch zu ertragen!

Trailrunning hat in Spanien einen ganz anderen Stellenwert

Was diesen Wettkampf neben der traumhaften Landschaft ganz besonders macht, sind die euphorischen Spanier: Überall sind begeisterte Zuschauer, feuern jeden Läufer an und auf der (ewig langen) Zielgerade in Los Lianos fühlt man sich wie ein Radfahrer bei der Tour de France! Dass ich gerade hier als fünfter meinen bisher grössten Erfolg feiern durfte, war wirklich überwältigend!

Ein grossartiges Erlebnis unter dem Jubel der Zuschauer ins Ziel laufen zu dürfen! (© Saul Santos)

Ein grossartiges Erlebnis unter dem Jubel der Zuschauer ins Ziel laufen zu dürfen! (© Saul Santos)

Verschnaufpause

Zum Glück stand die Rückreise erst am Montag an. So blieb genügend Zeit, um die Insel in aller Ruhe anzuschauen, sich von den Strapazen des letzten Tages zu erholen und natürlich auch, um den Erfolg zu geniessen.

La Palma, ich komme wieder!

5 Replies to “Transvulcania: So kann die Saison weitergehen!”

  1. Auch an dieser Stelle noch einmal herzlichen Glückwunsch zu dieser absolut genialen Platzierung.
    Unter den oben geschilderten Bedingungen ist der grandiose 5. Platz mindestens doppelt so grandios. 😉

    Ich wünsche dir eine gute und schnelle Regeneration.

    Wir sehen uns sicher an der Zugspitze

    Viele Grüße aus dem Berchtesgadener Land

    Steve

  2. Glückwunsch Stephan,
    nächstes Jahr stehst du bestimmt ganz vorne und du umgehst das Oktoberfest. Is ja auch viel schöner in München 😉

    Carsten

  3. Auch auf diesem Wege nochmals herzliche Gratulation!
    Du wirst die Ultra-Szene auch in Zukunft richtig aufwirbeln!!!

    Gruss und hoffentlich auf bald einmal
    Marcel

  4. Pingback: Rückblick 2014: Viele Höhen wenige Tiefen #2 » Stephan Hugenschmidt

  5. Pingback: Transvulcania zum Zweiten! – Stephan Hugenschmidt

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