Top of Switzerland als Skyrun

Der Dom ist mit seinen stolzen 4’545 Metern der höchste Berg, der ganz auf Schweizer Boden steht. Mit seiner wuchtigen Form zieht er jeden Bergsteiger in seinen Bann. Besonders eindrücklich ist die stark vergletscherte Nordflanke, durch die die Normalroute führt. Gestandene Alpinisten mögen diesen Anstieg als langweilig empfinden, weil sie technisch einfach ist und die letzten 850 Höhenmeter über den Hohbärggletscher endlos erscheinen. Aber dadurch ist der Dom prädestiniert für eine Begehung auf Zeit vom Tal aus. Diese Tour hatte ich schon länger im Hinterkopf, zu einem konkretem Vorhaben wurde es aber, als ich zusammen mit Adi, Chris und Mike den Nadelgrat gemacht habe. Denn vom Nadelgrat kann man direkt auf die Normalroute blicken. Sogar die Aufstiegsspur durch den Gletscher erkennt man bestens. Sie war gut angelegt, alle Spalten waren noch gut eingeschneit und durch die zahlreichen Begehungen sollte sie auch autobahnartig ausgetreten sein. Adi war sofort Feuer und Flamme als ich ihm von meinen Plänen erzählt habe. Schnell war klar, dass wir das Projekt gemeinsam angehen wollten. Trotz dem technisch einfachen Anstieg, kam für mich eine Solo-Begehung nicht in Frage, denn auf dem Hohbärggletscher gibt es etliche gewaltige Gletscherspalten. Am Seil zu gehen ist also Pflicht. Zudem ist Adi mit seiner alpinen Erfahrung und seiner Fitness der perfekte Partner für diese Aktion.

Blickauf den Dom vom Nadelgrat aus

Aufs Dach der Schweiz

Schon kurze Zeit später können wir unser Vorhaben in die Tat umsetzen. Wetter, Verhältnisse sind perfekt und wir beide könne uns freinehmen. Los geht es nach einer kurzen Nacht bei Bekannten von Adi in Randa um 4:26 Uhr. Als Startpunkt wählen wir die Kirche, auch wenn sie etwas erhöht liegt und wir damit ein paar Höhenmeter einsparen. Auf dem steilen Wanderweg finden wir schnell unseren Rhythmus. „Schnell, aber nie am Limit“ ist die Devise. Der 3200-Höhenmeter-Anstieg und die zumindest für mich ungewohnte Höhe wird uns früher oder später ganz automatisch an unsere körperlichen Grenzen bringen. Bis zur Domhütte folgen wir dem klettersteigartig angelegten Wanderweg. Dann geht es zunächst auf Wegspuren durch Schutt zum Festigletscher und an dessen linken Rand (in Aufstiegsrichtung) zum Festijoch. Das Festijoch ist die „Schlüsselstelle“ der Normalroute, aber mehr als eine kurze, mit Fixseilen entschärfte Kraxelei auf brösligem Untergrund ist es nicht. Vom Festijoch könnte man der technisch anspruchsvollen Route über den Festigrat zum Gipfel folgen. Wir aber seilen uns an, ziehen unsere Microcrampons an und gelangen nach einem kurzen Abstieg auf den Hohbärg-Gletscher. Jetzt beginnt der lange und zähe Anstieg auf den Gipfel. Mittlerweile haben wir schon 2300 Höhenmeter in den Beinen und befinden uns auf 3700 Meter, da erscheinen die verbleibenden 850 Höhenmeter ziemlich weit. Aber wir kommen trotzdem zügig voran, überholen nach und nach die schwer schleppenden Bergsteiger. Die Spur ist gut, aber ein leichter Schneefall in den letzten Tagen hat eine feine Schicht Pulverschnee hinterlassen, in dem man gerne etwas rutscht. Das stört nicht gross und die kleinen Zacken der Microcrampons sind völlig ausreichend. So erreichen wir schon nach 3:28 h den aussichtsreichen Gipfel. Ich bin erstaunt über diese Zeit. Dass wir es unter 3.5 h schaffen, hätte ich nicht gedacht.

Auf dem Gipfel!

Und wieder runter

Weil am Gipfel ein unangenehm kalter Wind weht, machen wir uns schon nach 10 Minuten an den Abstieg. Was soll ich sagen? Es macht eine riesige Freude mit der leichten Ausrüstung den Gletscher runter zu rennen. Im oberen Teil ist noch Vorsicht geboten, weil es doch so steil ist, dass man nicht ausrutschen sollte. Aber der untere Teil ist so flach, dass man es richtig krachen lassen kann. Auf dem Festijoch verstauen wir unsere Gletscherausrüstung im Rucksack, klettern ab und rennen weiter. Bei der Domhütte werfen wir einen Blick auf die Uhr und stellen fest, dass eine Zeit von unter 5 h (exklusive Selfie-Pause am Gipfel) möglich sein könnte. Wir stürzen uns also den mit Drahtseilen und Stahlstiften entschärften Hüttenweg hinunter, vorbei an den verdutzt schauenden Bergsteigern. Bei der Europabrücke wird es technisch wieder einfacher und wir können uns etwas entspannen. Ganz risikolos war es nicht wie wir den blau-weissen Wanderweg runtergerannt sind. Aber so schaffen wir es tatsächlich nach weniger als 5 h wieder zurück in Randa zu sein! Danke Adi, dass ich das mit dir erleben durfte. Es war gewaltig!

Ein paar Infos zu unserer Ausrüstung

Wir sind in Trailrunningschuhen, Trailrunning-Rucksack, langer Laufhose, Langarm-Shirt, Schildmütze und Stöcken gestartet. Auf dem Festijoch haben wir unsere Gstälti angelegt, uns an einem 10 m Seil angebunden und Microcrampons angelegt. So sind wir bis auf den Gipfel. Dort haben wir leichte Handschuhe und Windjacke angezogen, die wir beim Festijoch zusammen mit der Gletscherausrüstung wieder ausgezogen haben. Im Rucksack dabei, aber nicht gebraucht haben wir unsere Leichtpickel, Material für eine Spaltenbergung, Notfallapotheke und Rettungsdecke. Verpflegt haben wir uns mit 1 Liter Iso und Gels.
Aus unserer Sicht war es vertretbar mit dieser Minimal-Ausrüstung auf den Dom zu gehen. Wir haben uns genauestens über Route, Wetter, Verhältnisse informiert und wussten, dass alles perfekt war. Zu keinem Zeitpunkt haben wir aufgrund unserer Ausrüstung ein Risiko eingehen müssen.

Hier geht’s zum Move (Movescount) und hier zur Aktivität (Strava).

Distanz: ca. 20.5 km

Auf-/ Abstieg: ca. ± 3’250 m

Schwierigkeit: T4 / WS

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