Start in die Traillauf-Saison am Gardasee

Mittlerweile ist fast ein halbes Jahr vergangen, seit ich zum letzten Mal bei einem Trail-Wettkampf teilgenommen habe. Die lange Pause habe ich gebraucht, weil ich nach der WM in Portugal leer war. Schon nach dem UTMB war die Motivation Wettkämpfe zu bestreiten weg und ich hätte die Wettkampf-Saison am liebsten beendet. Mich für die WM, die ja so spät im Jahr war, nochmals aufzurappeln, hat sich natürlich gelohnt. Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden und bei solch einem Grossereignis teilzunehmen war eine grossartige Erfahrung. Aber danach war endgültig Zeit für ein Tapetenwechsel. Zum Glück stand der Winter vor der Tür und ich konnte auf die Tourenskier wechseln. Jetzt, anfangs Mai, juckt es mich wieder die Trailschuhe anzuziehen und laufen zu gehen. Zwar liegt hier in Graubünden immer noch ausreichend Schnee für Skitouren. Aber genauso wie ich vor einem halben Jahr grössere Lust auf Skitourengehen hatte, habe ich jetzt grössere Lust aufs Laufen. So soll es sein!

Trainingswochenende mit Startnummer

Gerade wegen dem vielen Schnee, der in den Bergen liegt, sind die Möglichkeiten im Prättigau noch recht begrenzt. Will man nicht durch meterhohen Schnee stapfen, muss man sich mit Runden im Tal begnügen. Deshalb beschliesse ich, wie schon an Ostern, ein Trainingswochenende südlich des Alpenhauptkamms einzulegen. Ich überlege, ob ich ins Tessin, nach Südtirol, oder vielleicht mal an den Gardasee gehen soll? Die Wahl fällt schnell auf den Gardasee, weil ich dort noch nie war und die Bilder vom Limone Extrem Skyrace spektakuläre Trails versprechen! Beim Googlen sehe ich dann, dass genau am gleichen Wochenende die 2. Auflage des Garda Trentino Trails stattfindet – was für ein Zufall! Eigentlich wollte ich die Wettkampfsaison noch nicht so früh beginnen, mich erst wieder an das Laufen gewöhnen nach der langen Skitourensaison. Aber die 60 Kilometer lange Strecke mit den 3’500 hm macht mich so an, dass ich mich direkt anmelde. Was soll’s. Fit sollte ich nach den vielen, vielen Höhenmetern auf den Tourenskiern sein und vielleicht sind das Bergablaufen und die ungewohnte Distanz halb so wild. Und wenn nicht, ist es auch kein Beinbruch, so wichtig wie beispielsweise ein Transvulcania ist der Wettkampf ja nicht.

Unkompliziert, schnell, abwechslungsreich

Die Veranstaltung ist herrlich unkompliziert. Gestern bin ich gemütlich angereist, habe in meiner Unterkunft eingecheckt, meine Startnummer abgeholt und noch leckere Pasta genossen. Kein grosses Tamtam wie bei der WM, dem UTMB, Transvulcania usw. Natürlich ist das auch mal ganz schön, aber immer möchte ich das nicht. Anders als bei solchen Grossevents bin ich jetzt beim Start auch nicht übermässig nervös. Eigentlich freue ich mich nur auf den bevorstehenden Lauf. Mit ein bisschen Verspätung (ein paar Läufer haben ihren Chip nicht aktiviert) werden die immerhin 310 Teilnehmer auf die Strecke geschickt. Zunächst geht es recht flach durch Arco und die angrenzenden Wein- und Olivenplantagen. Der Hund eines Zuschauers hat sich losgerissen und rennt übermütig neben uns her. Auch nach ein paar Kilometern macht er keine Anstalten umzudrehen. Erst als eine Frau am Wegesrand beherzt nach der Leine greift, geht es für uns Läufer ohne tierischen Tempomacher weiter.
Der erste Anstieg ist eine ziemlich rutschige Angelegenheit. Ein Schauer ist kurz vor dem Start über die Strecke gezogen und hat die Steine auf dem Pfad extrem glitschig gemacht. Ich bin gerade froh, dass es bergauf geht. Bergablaufen wäre eine unkontrollierte Schlitterpartie. Nach den ersten 1000 Höhenmetern kommt schon die erste Verpflegungsstelle, die mein Verfolger Enzo Romeriund ich links liegen lassen. Nach einem weiteren kurzen Schnapper kommt das erste Highlight: ein herrlich zu laufender Waldpfad, die Höhe mehr oder weniger haltend. Der Abstieg zum Lagi di Tenno macht ebenfalls richtig Spass: mal breiter Forstweg, mal technischer, steiler Trail, dann wieder kurze Flachpassagen. Einfach herrlich.

Volldampf durch den Wald

Der idyllische Lago di Tenno wird am Ufer passiert, danach geht es nochmals hinab zu den malerischen Gassen von Tenno, wo die Läufer des Trail-Marathons starten. Der zweite Anstieg beginnt vielversprechend: auf kaum begangenen, fast verwildert wirkenden Pfaden geht es im Wald bergauf. Der abwechslungsreiche Charakter vom bisherigen Streckenverlauf bleibt aber erhalten. Bis zur nächsten Verpflegung auf der Rifugio Pernici läuft man auf allen möglichen Wegarten mal mehr, mal weniger steil bergauf. Die Passagen auf Schotter sind wirklich kurz und ich finde sie richtig angenehm. Genau richtig um kurz die Beine zu lockern, bevor es die nächste Rampe auf ruppigen Pfaden bergauf geht!
Nach der Rifugio Pernici dann das zweite Highlight: ein Höhenweg, der sich gut 1500 Meter über dem Gardasee an der Bergflanke entlang schlängelt. Trotz Schnee auf der Strecke ein wahrer Hochgenuss. Der folgende Abstieg zum Touristenmagnet Lago di Ledro ist bis auf wenige, kurze Abschnitte steil und technisch. Nie so schwierig, dass man nicht zügig durchlaufen könnte, aber doch so, dass man hochkonzentriert und aktiv laufen muss.

Auf dem Höhenweg liegt noch etwas Schnee

Gute Beine bis zum Schluss

Vor dem letzten Anstieg hat man ungefähr die Marathondistanz geschafft. Bis jetzt habe ich mich während des ganzen Rennens hervorragend gefühlt. Es lief wie am Schnürchen. Auch jetzt beim teilweise spektakulär in den Fels gehauenen Anstieg, sind die Beine noch frisch. Erst das folgende, leicht ansteigende Flachstück fällt mir schwer und ich sehne mich nach dem höchsten Punkt, ab dem der finale Abstieg beginnt. Es zieht sich dann doch noch recht lange. Kleine Auf- und Abstiege wechseln sich ab und im Grossen und Ganzen hält man die Höhe. Den kurzen Durchhänger habe ich schnell überstanden und ich kann diesen Streckenabschnitt richtig geniessen. Und das ist auch gut so, denn der Blick auf den Gardasee ist kaum zu toppen.
Die Trails bergab zum Ziel in Garda sind zum Teil recht anspruchsvoll. Handbreit, steil, kurzzeitig auch ein wenig luftig. Erst zum Schluss wird es wieder einfacher und man kann es nochmal richtig laufen lassen! Auch wenn ich meine Verfolger seit längerem nicht mehr sehe, versuche ich das Tempo hoch zu halten. Ist ja schliesslich ein Wettkampf! Im Ziel erfahre ich dann, dass ich knapp unter der letztjährigen Siegeszeit geblieben bin. Auch deswegen hat es sich gelohnt, bis zum Schluss zu kämpfen!

Zieleinlauf!

(Im Nachhinein weiss ich, dass der Vergleich der Zeiten keinen Sinn macht. 2016 verlief die Strecke in entgegengesetzter Richtung und war nicht identisch mit diesem Jahr. Hoffen wir, dass die Veranstalter die Strecke lassen wie sie ist. Besser kann sie nicht werden und dann kann man auch die Zeiten miteinander vergleichen, wenn man das denn möchte).

Ein perfekt organisierter Wettkampf, eine fantastische Strecke, ein positives Gefühl beim Start in die Saison und natürlich auch das Dolce Vita in Riva: die knapp fünfstündige Fahrt ins Trentino hat sich absolut gelohnt!

Hier geht’s zum Move
Hier geht’s zur Internetseite des Veranstalters

Bilder: Veranstalter

2 Replies to “Start in die Traillauf-Saison am Gardasee”

  1. Herzlichen Glückwunsch Stephan!
    Perfekter Einstieg in die neue Saison!
    Die Daumen sind gedrückt, dass es so weiter geht.
    Alles Gute und ganz viel Spaß

    Viele Grüße

    Steve

    P.S.: Man sieht mal wieder, dass der Lago im Frühling immer eine Reise wert ist.

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