Scenic Trail 2015: ein perfektes Rennen

Gewitter, Starkregen, Unwetterwarnung

Eigentlich halte ich sehr viel vom nationalen Wetterdienst der Schweiz. Warum? Weil die Wettervorhersagen für gewöhnlich zuverlässig und sehr genau sind. Dementsprechend war ich in den letzten Tagen ziemlich nervös, weil ein mächtiges Mittelmeertief dem Tessin ein verregnetes 2. Juniwochenende bescheren sollte. Gestern Abend wurde sogar noch eine Unwetterwarnung wegen Starkregen für die Region nördlich von Lugano ausgegeben. Es schien also so, also ob der Scenic Trail wenn überhaupt, bei ziemlich widrigen Bedingungen stattfinden wird.

Unwetter?

Jetzt, kurz vor dem Start in Tesserete um 7:00 Uhr, merke ich nichts von den „gewittrig verstärkten Starkniederschlägen“. Der nächtliche Regen hat längst aufgehört und es sieht eher so aus, als ob das Wetter besser wird. Sehr gut! Ich bin nämlich überhaupt kein Freund vom Laufen in den Bergen bei Dauerregen. Und nein, ich finde nicht, dass es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Bekleidung gibt. Mal ehrlich, eine Regenjacke kann noch so gut sein: Wenn es anhaltend stark regnet, ist man irgendwann trotzdem nass.

Vorfreude auf eine geniale Strecke

Pünktlich um 7:00 Uhr (wir sind ja in der Schweiz), geht es los und nachdem das Wetterproblem doch kein Problem ist, freue ich mich richtig auf den Wettkampf. Ich kenne die Strecke von einem Trainingslauf an Pfingsten und weiss, dass sie zum besten gehört, was es an Trailläufen gibt! Eine logische Streckenführung immer auf dem Grat einer u-förmigen Bergkette entlang – fast ausschliesslich auf technischen Trails. Im Gegensatz zum letzten Jahr wurde die Strecke um rund 5 km und 300 hm vergrössert, vermutlich um die 2 UTMB-Punkte zu bekommen. Aber die Extraschlaufe durch das wunderschöne Bergdorf Brè stört überhaupt nicht. Mir sollte sie sogar entgegenkommen.

Allein im dichten Nebel

Auf den ersten Kilometern laufe ich mit dem letztjährigen Zweitplatzierten, Roberto. Wir unterhalten uns ein bisschen und ich erfahre, dass er erst 17 Jahre alt ist. Das beeindruckt mich, der blutjunge Tessiner ist ein grosses Talent! Nach der ersten Verpflegungsstation kann ich mich von Roberto absetzen und laufe allein. So herrscht eine mystische, fast unheimliche Stimmung auf dem Weg zum höchsten Punkt, dem 2116 m hohen Gazzirola: es sind keine Menschen unterwegs und immer wieder wird der Weg in dichte Wolken gehüllt. Zwar bleibt uns so die sonst fantastische Aussicht verwehrt, aber trotzdem ist es einfach wunderschön. Und nein, abgesehen von ein paar harmlosen Tropfen, regnet es nach wie vor nicht!

Allein im dichten Nebel

Noch ist es trüb…

Tierische Begegnung

Nach der 2. Verpflegungsstelle (San Lucio) ist der Nebel besonders dicht, sodass man kaum die Hand vor den Augen sieht. Umso mehr erschrecke ich, als ich plötzlich einem Steinbock begegne. Der Prachtkerl mit seinen imposanten Hörnern muss wohl ebenfalls erschrocken sein – zumindest verharrt er stocksteif, während ein paar Grashalme noch aus seinem Maul hängen. Mir fallen diese Details auf, weil der Steinbock keine 5 Meter von mir entfernt ist. Wahnsinn – und das in einem Wettkampf! Vorsichtshalber gehe ich erst mal ganz langsam weiter, so ein Steinbock ist schon respekteinflössend…

Wenn’s läuft, dann läuft’s

Nach diesem eindrucksvollen Erlebnis folgt der nächste Anstieg zum Cima di Fojorina. Kurz unterhalb des höchsten Punktes reissen die Wolken plötzlich auf und geben den Blick auf den Luganersee frei. Auch wenn ich den Blick von meinem Trainingslauf schon kenne, ist es jetzt, nach gut 25 km im Nebel besonders beeindruckend! Ich fühle mich richtig gut, genau so muss ein Wettkampf laufen! Das gute Gefühl bleibt und auch die Sonne kämpft sich immer mehr durch die Wolken.

Die letzten Kilometer von Villa Luganese zurück zum Ausgangspunkt empfand ich an Pfingsten ziemlich ätzend. Man meint so gut wie in Tesserete zu sein, aber es warten noch 6 Kilometer und einige ekelhafte Höhenmeter! Ob es an dem Gel (Zucker!), oder den Gedanken an einen möglichen Sieg liegt, weiss ich nicht. Aber heute empfinde ich den letzten Streckenabschnitt überhaupt nicht schlimm. Ruckzuck bin ich auch schon in Tesserete und darf nach 5:45:44 h als erster die Ziellinie überqueren! Zweiter wird wie schon im letzten Jahr Roberto Delorenzi (6:14:53 h) vor dem Vorjahressieger Marco Gazzola (6:23:20 h). Den Sieg bei den Damen teilen sich Corine Kagerer und Francesca Canepa. Gratulation!

Vielen Dank an den Organisator!

Vielen Dank an den Organisator!

Scenic Trail 2015: Mein Fazit

Mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden. Nicht nur weil ich gewonnen habe, sondern auch weil ich mich während des gesamten Rennens sehr gut gefühlt habe und ich unter der Siegerzeit vom letzten Jahr geblieben bin – trotz der zusätzlichen Kilo- und Höhenmeter. Ich denke, dass ich auf einem guten Weg bin.

Abschliessend möchte ich noch ein ganz dickes Lob an die Organisatoren rund um Aaron aussprechen: Ihr habt einen hervorragenden Job gemacht! Wenn nächstes Jahr noch die Probleme mit der Zeitmessung ausbleiben, ist alles perfekt 😉

Danke für einen grossartigen Tag und bis zum nächsten Jahr!

Hier geht’s zum Move.

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