Prossima fermata: Trail Monte Soglio

Der nächste Wettkampf: Trail Monte Soglio

Wer kennt das: Nach einem wichtigen Wettkampf, der richtig gut gelaufen ist, falle ich oft in ein Loch. Erst sind die ganzen Emotionen noch frisch, man fühlt sich beschwingt. Dann klingt der Trubel ab und der Alltag kehrt wieder ein. Abhilfe schaffen in solchen Momenten entweder schöne Touren in den Bergen oder der nächste Wettkampf (vorausgesetzt man fühlt sich wieder fit). Ersteres kommt im Moment leider noch nicht in Frage. In den letzten Wochen hat es immer wieder bis weit hinunter geschneit, dementsprechend sind die Berge im Prättigau noch tief verschneit. Also ein Wettkampf. Mal schauen, was am letzten Maiwochenende stattfindet. Ich werde schnell fündig: Trail Monte Soglio in der Provinz Turin. 64 Kilometer, 3600 Höhenmeter, Teil der nationalen Skyrunning Serie Italiens. Klingt vielversprechend! Das einzige Problem: als ich mich anmelden möchte, sehe ich, dass die Anmeldefrist schon vorbei ist. Mist! Es bleibt mir also nichts Anderes übrig, als den Veranstalter zu fragen, ob ich doch noch mitlaufen kann. Die Antwort kommt sofort und haut mich schier um: ich darf mitlaufen, bekomme den Startplatz umsonst und obendrauf sogar noch eine Unterkunft in der Nacht vor dem Wettkampf. Mille Grazie!

Autofahrt ins italienische Nirgendwo

Ein Haken gibt es dann doch noch: die Anfahrt nach Forno Canavese dauert mehr als 4.5 h – für mich, der ungern Auto fährt, ist das eine halbe Ewigkeit. Die Anfahrt verläuft dann aber problemlos. Ohne Stau und mit der einen oder anderen Pinkel- und Espresso-Pause vergeht die Zeit schneller als gedacht. Mein Bed & Breakfast zu finden wäre ohne Navi allerdings kaum möglich – in einem kleinen, aber idyllisch gelegenem Kaff mitten im italienischen Nirgendwo. Der Empfang beim Gastgeber-Ehepaar ist dafür umso herzlicher. Ich fühle mich sofort wohl. Jetzt noch Startnummer abholen, Pasta essen und dann ist es auch schon Zeit um ins Bett zu gehen.

Auf Luca Carraras Fersen

Um Viertel nach vier heisst es aufstehen. Das ist zwar früh, aber nicht zu früh. Frühstücken, Sachen zusammenpacken und auf geht’s zum Start nach Forno Canavese. Das Wetter ist nicht schlecht, aber leider ist der Namensgeber des Wettkampfes, der Monte Soglio in den Wolken. Hoffentlich reissen die Wolken noch auf, denn die Aussicht ins italienische Flachland auf der einen und die Bergriesen der Westalpen auf der anderen Seite muss gigantisch sein.
Verglichen mit dem Transvulcania geht es beim Start viel gemächlicher zu. Auch schön – jedes Mal so ein Halligalli wie am Leuchtturm brauche ich nicht. Nach dem Startschuss geht es trotzdem richtig zur Sache. Grund ist Luca Carrara (Team Mammut), der auf den ersten Kilometern durch Forno und den ersten Rampen auf groben Schotterwegen richtig Gas gibt. Aber auch als die ersten Trails beginnen, behält er das Tempo bei. Angesichts der Streckenlänge, könnte/wollte ich nicht schneller laufen, weshalb ich mich an die Fersen des schlaksigen Italieners hefte.

Der Trail Monte Soglio startet! Foto: Giacomo Meneghello

Der Trail Monte Soglio startet!
Foto: Giacomo Meneghello

Das Rennen beginnt…

Nach zwei steilen Rampen, beginnt der erste längere Abstieg – erst ziemlich steil, dann bei leichtem Gefälle auf einem wunderbar flüssig zu laufenden Trail hinunter nach Giaudrone. Und hier beginnt dann das eigentliche Rennen, denn jetzt folgt der lange Anstieg zum Monte Soglio. Er folgt grösstenteils dem Bergrücken bzw. Grat – einfach nur genial! Mittlerweile fällt es mir leichter mit Luca zu laufen, aber ich bleibe bei ihm, um so gut es geht Kraft zu sparen. Denn das Rennen ist noch lang!
Leider steckt der Monte Soglio immer noch im Nebel, als wir ihn erreichen. Wegen der fehlenden Aussicht zwar schade, aber wie der Wind die Nebelfetzen über den vor uns liegenden Grat bläst, ist nicht weniger schön! Jetzt kommt der Streckenabschnitt, auf den ich mich am meisten gefreut habe: 5 Kilometer im stetigen Hoch und Runter auf technischen Trails – da, wo auf der Streckenkarte grosse Ausrufezeichen eingezeichnet sind („Tratto tecnico/esposto“). War zwar halb so wild, aber definitiv der Höhepunkt des Rennens! Zumal es mir jetzt richtig gut läuft und ich auch Luca überholen kann.

Leider im Nebel

Leider im Nebel
Foto: Giacomo Meneghello

…Und ist noch lange nicht zu Ende

Nach dem spassigen 1200-Höhenmeter-Downhill ist das Rennen noch lange nicht zu Ende. 12 Kilometer und einige fiese Aufstiege liegen bei der letzten Verpflegung noch vor den Läufern. Zum Glück sind die Weglein weiterhin sehr abwechslungsreich, so fällt es mir leichter die müden Beine zu ignorieren. Nach diesem letzten Anstieg kommt man wieder auf die Strecke vom Beginn des Rennens – dem grobschottrigen Fahrweg. Das ist jetzt zwar kein Hochgenuss mehr, dafür kann ich so einigermassen effektiv Kilometer fressen und Höhenmeter vernichten. Und dann erreiche ich auch schon wieder Forno Canavese und kann die letzten 2 Kilometer durchs Dorf geniessen. Nach 64 richtig genialen Kilometern, 3600 ganz schön harten Höhenmetern und 6:41:39 h (neuer Streckenrekord) darf ich dann als erster die Ziellinie überqueren – wahnsinnig glücklich und super zufrieden!

Immer wieder ein überwältigendes Gefühl!

Immer wieder ein überwältigendes Gefühl!
Foto: Giacomo Meneghello

Was mir noch wichtig ist:

Ich möchte mich ganz herzlich bei den Organisatoren um Alberto bedanken! Nicht nur wegen dem kostenlosen Startplatz und der Unterkunft, sondern auch für die besondere Herzlichkeit, die mir entgegengebracht wurde! Hier sind so viele Leute mit Herzblut bei der Sache und schaffen es ein perfekt organisiertes, aber trotzdem authentisches Rennen auf die Beine zu stellen!

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