Prättigau Höhenweg – in 8:06 h von Landquart nach Klosters

Ich kann mich noch gut an meine ersten Kilometer auf dem Prättigau Höhenweg erinneren. Es war 2013 mit Jörg und Christian. Damals sind wir von Vorarlberg durch das Rellstal zum Cavelljoch, dem Übergang von Vorarlberg ins Prättigau. Damals schon war ich total begeistert von dem Panorama und dem endlos wirkenden Pfad unterhalb der Felswände des Rätikon. Wir sind den Höhenweg bis kurz vor die Carschinahütte abgelaufen und dann über das Drusator wieder zurück nah Vorarlberg – zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon den Beschlus gefasst, dass ich den kompletten Prättigau Höhenweg – 73 km / 3800 hm – von Landquart nach Klosters unter die Füsse nehmen muss! Im Herbst desselben Jahres war das dann auch der Fall und was soll ich sagen? Ich war genau so begeistert wie ich es erhofft hatte.

2013 Praettigau Hoehenweg

Damals auf dem Jägglisch Horn

Jetzt, wo ich im Prättigau wohne, ist es deshalb auch klar, dass ich den Weg Nr. 72 nochmal ablaufen werde. Nicht um schneller zu sein wie 2013 (reine Laufzeit: 8:19 h), sondern um erneut die landschaftliche Schönheit erleben zu dürfen. Mein erster Versuch letzte Woche musste ich wetterbdingt abbrechen. Bis zum Cavelljoch bin ich gekommen, doch 15 cm nasser Schnee und wirklich grausames Wetter haben mir die Lust zum Weiterlaufen geraubt. Dieser Weg lebt von der gewaltigen Aussicht, wenn man die Hand vor den Augen kaum sieht, ist definitiv der falsche Zeitpunkt für den 72er.

Landquart – Seewis

Jetzt, am Sonntag des letzten Juniwochenendes steht dem Vorhaben nichts mehr im Wege. Zwar hat tags zuvor ein Unwetter getobt, doch ausser matschigen Wegen sollte nichts weiteres passiert sein. Als ich um kurz nach 8 am Bahnhof in Landquart los laufe herrscht eine tolle Stimmung. Die Berge sind noch in Wolken gehüllt, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie die Sonne auflösen wird. Zunächst geht es wenige Kilometer flach nach Malans, einem idyllischen Ort am Fusse des Vilan. Hat man den Ort passiert, biegt man auch schon auf den ersten Pfad ab und gelangt in zahlreichen Kehren auf den Fadärastein, von wo man eine herrliche Aussicht auf das Rheintal hat. Weiter geht es auf einem wurzligen Wanderweg grösstenteils im Wald nach Seewis. Herrlich – man bekommt richtig Lust auf mehr!

Tiefblick ins Rheintal (© www.mountainbiker.ch)

Tiefblick ins Rheintal (© www.mountainbiker.ch)

Seewis – Schesaplanahütte

Der Streckenabschnitt nach Seewis ist eines der weniger schönen Abschnitte. Es geht auf einer anfangs noch asphaltierten Fahrstrasse leicht ansteigend nach Cani. Eine etwas zähe Angelegenheit, doch dank des Ausblickes auf die Felswände des Rätikons ist das halb so schlimm – zumal die Beine ja noch fisch sind! In Cani angekommen, beginnt ein recht einsamer Wegabschnitt. Der Prättigau Höhenweg macht einen Schlenker nach Westen in Richtung Fläscher Alp – also eigentlich entgegen der eigentlichen Marschrichtung Richtung Osten. Wem die komplette Strecke zu viel ist, könnte hier abkürzen und direkt zur Schesaplanahütte aufsteigen. Allerdings verpasst man dann einen wenig frequentierten, teilweise etwas verwachsenen Streckenabschnitt, der seinen ganz eigenen Charakter hat. Vor allem die Passage bei Sanalada oberhalb des Tobels ist ein echtes Highlight! Nach einem kuzen Stück Schotterautobahn erreicht man schliesslich die Schesaplanahütte. Wer den Prättigau Höhenweg wie vorgeschlagen als Viertageswanderung macht, hat hier das Etappenziel erreicht.

Alp Stürfis (©Hans Schlegel)

Alp Stürfis (©Hans Schlegel)

Schesaplanahütte – Carschinahütte

Für mich geht es natürlich weiter. Ich grüsse kurz die rastenden Wanderer, füll meine Trinkflaschen auf und lasse mich vom Blick auf die Felswand der Schesaplana beeindrucken. Eine längere Pause kommt nicht in Frage, denn jetzt kommt das absolute Sahnestück der Tour: 20 Kilometer Traumtrail über das Cavelljoch bis zur Carschinahütte. Der Weg ist nun stärker freqeuntiert und dementsprechend besser „ausgelaufen“. Dies hat zur Folge, dass er als ausgeschriebene Mountainbike-Route ausgeschrieben ist. Aber keine Angst, obwohl ich jetzt schon mehrere Male hier unterwegs war, bin ich noch nie einem Mountainbiker begegnet. So schön dieser Streckenabschnitt auch ist, unterschätzen darf man ihn nicht. Es geht nie besonders lange oder besonders steil bergauf, trotzdem kommen gut 1000 Höhenmeter zusammen! Im Prinzip könnte man alles locker-flockig durchlaufen, aber dass man mittlerweile einen Marathon mit 2500 hm in den Beinen hat, merkt man dann halt doch. Nicht weit von der Carschinahütte entfernt, kommt mir doch noch ein Mountainbiker entgegen. Aber es sieht nicht so aus, als ob er richtig Spass hätte. Trotz Super-Hightech-Fully hoppelt er im Schneckentempo den Pfad entlang und fällt fast vom Bike, als ich ihn bewusst freundlich grüsse. Ich jedenfalls bin froh laufend und nicht radelnd hier unterwegs zu sein 😉

Typisches Panorama auf dem Prättigau Höhenweg

Typisches Panorama auf dem Prättigau Höhenweg

Carschinahütte – St. Antönien

Nach der fast schon kitschig schön gelegenen Carschinahütte geht es erst noch ein Stück so weiter, bevor der Prättigau Höhenweg rechts Richtung Partnun bzw. St. Antönien abzweigt. Eigentlich schade, denn von hier aus könnte man duch den Gemschtobel auf die Sulzfluh, übers Grünen Fürggli oder Tilisunafürggli zur Tilisunahütte. Und so weiter. Es gibt noch sooo viel zu entdecken, dass es mir in den nächsten Jahren bestimmt nicht langweilig wird!

Jetzt geht es auf einem recht steilen Trail durch saftige Almwiesen bergab zum Berggasthaus Partnun. Die Befürchtung, dass man jetzt auf der geteerten Bergstrasse bis nach St. Antönien laufen muss ist unbegründet, denn schon nach wenigen Hundert Metern gelangt man wieder auf einen Pfad, der im ständigem Auf und Ab an der rechten Talseite in Richtung St. Antönien führt. Kurz vor dem bei Tourenskiläufern wohl bekannten Ort wird man dann doch wieder auf der Strasse ausgespuckt.

St. Antönien – Klosters

Es lohnt sich in St. Antönien eine Pause einzulegen und die Kräfte zu sammeln. Denn der Weg nach Klosters ist noch weit und zudem folgt jetzt der längste Anstieg auf das Jägglisch Horn. Ich weiss wovon ich rede, denn beim letzten Mal habe ich noch ganz schön leiden müssen. Damals war ich wirklih froh, dass mich mein Freund Chris begleitet und zumindest moralisch unterstützt hat. Der Beginn des Anstieges ist unspektakulär. Man folgt erst der Teerstrasse in Richtung Ascharina, dann folgt ein Stück auf dem geschotterten Fahrweg zur Aschariner Alp. Ab hier wird es wieder interessant – einerseits wegen dem Blick auf die Felswände des Rätschenhorns, andererseits, weil es jetzt endlich wieder auf einem schmalen Pfad weitergeht. Das Jägglisch Horn bzw. das Függli bitet wieder einen grandiosen Ausblick. Also: kurz anhalten und den Moment geniessen. Besonders beindruckend finde ich den Blick zurück in Richtung Rätikon bzw. Rheintal. Wow, es ist schon beeindruckend zu sehen welche Strecke ich schon zurückgelegt habe.

Jägglisch Horn: Blick ins Prättigau

Jägglisch Horn: Blick ins Prättigau

Beim Abstieg vom Fürggli zu den Bauernhöfen bei Zastia sollte man sich aber auf den Weg konzentrieren. Denn dieser kann ganz schön zugewachsen sein. In Kombination mit den inzwischen sehr schweren Beinen gar nicht so ohne. Bis man die Bergstation der Madrisabahn erreicht, ist der Weg kurzweilig: gespickt mit kurzen, steilen Anstiegen schlänglt er sich hoch über dem Tal den Bergrücken entlang. Danach heisst es nochmals Zähne zusammenbeissen, denn durch das Skigebiet führt wieder ein Schotterweg in unangenehmer Steigung. Auch wenn ich darauf gefasst war, fällt mir dieses Stück auch dieses Mal schwer. Ich hab das Gefühl nicht vom Fleck zu kommen und bin heilfroh, als der Wegweiser 72 nach rechts in Richtung Schlappin weist. Wenn man hier angelangt ist, darf man sich freuen, denn ab jetzt geht es (fast) nur noch bergab nach Klosters. Bis Schlappin auf einem wurzligen und schattigen Waldpfad, dann ein recht langes Stück auf einer Asphaltstrasse. Kurz vor Klosters biegt man ein letztes Mal auf einen Wanderweg ab und muss die letzten, wirklich kleinen Gegenanstiege unter die Füsse nehmen. Und dann ist man auch schon in Klosters und damit am Ende dieser Traumtour. Natürlich laufe ich weiter bis zum Bahnhof, denn hier endet bzw. startet der Prättigau Höhenweg. Ich stoppe die Zeit und werfe einen Blick auf meine Ambit: 8:06:24 h, 73.3 km, 3817 hm.

Fazit: Der Prättigau ist auch für Trailrunner 100% empfehlenswert! Für mich ist klar, dass ich ihn auch ein 3. Mal ablaufen werde!

Hier geht´s zum Move

5 Replies to “Prättigau Höhenweg – in 8:06 h von Landquart nach Klosters”

  1. Geniale Tour…
    …du bist super drauf Stephan!
    Alles alles gute für die bevorstehenden Rennen
    Ganz besonders für den UTMB!

    Viele Grüße

    Steve

  2. Gratulation zum Lauf vorgestern (19.9.) in Arosa; siehst Du, es geht doch aufwärts 🙂

    Ja, der Prättigauer Höhenweg ist Trailrunners paradise.
    Die Runde Gargellen- SchlappinerJoch-Klosters-Rätschenjoch-Rätschenflue-St. Antönien- Riedchopf – St. AntönierJoch-Gargellen ist auch nicht zu verachten 😉

    Viel Freude am Laufen!!!

    • Vielen Dank für den Tipp! Rätschenhorn und St. Antönier Joch kenne ich schon – den Rest werde ich auch noch auskundschaften 🙂

      • definitely worth a try. see you there next summer, maybe 😉 I usually start in Vergalda shortly before the sun rises in order to „meet“ the sun around Schlappiner Joch 🙂 ALWAYS STUNNING 🙂
        But for the moment I prefer my touring skies 🙂 🙂

  3. Pingback: Ein versöhnlicher Rückblick aufs Jahr 2015 – Stephan Hugenschmidt

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