Mein erster Ultra-Trail!

Wie wird das Wetter beim 10ème Trail du Petit Ballon?

Als mein Vater und ich am Vortag des Wettkampfes in Rouffach am Fusse der Vogesen eintrafen, war noch alles in Ordnung: Schönes Wetter und Temperaturen knapp im 2-stelligen Bereich ließen uuns hoffen, dass die für den Wettkampftag prognostizierte Schlechtwetterfront erst später eintreffen wird. Doch schon am Abend, als wir uns bei einem kleinen Lockerungslauf Teile der Strecke ansahen, wurden die Schleierwolken immer dichter und der Wind frischte merklich auf.

Extreme Bedingungen durch Schnee, Matsch und Sturm

Die ganz große Ernüchterung dann am Wettkampftag: ein beißender Südwestwind peitschte über die kahlen, trostlos wirkenden Weinreben und die dunkelgrauen Wolken stauten sich an den Hänge der Vogesen. Am meisten Sorgen bereitete uns jedoch die intensiven Niederschläge. Aufgrund des unangenehmen Schneeregens bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt verzichteten wir aufs Warmlaufen und verließen erst 10 Minuten vor dem Start das warme und vor allem trockene Auto. Die Vermutung, dass der Veranstalter das Rennen absagt, oder die 720 (!) Starter auf eine Alternativroute schickt, erwiesen sich als falsch: Wer um 9:00 Uhr am Start stand, musste sich auf der regulären, fast 50 km langen und mit ca. 1850 hm bespickten Strecke bis hinauf auf den 1.272 m hohen Petit Ballon und dann wieder zurück kämpfen. Schon auf den ersten Kilometern war klar, dass nicht nur das Wetter, sondern auch die Streckenverhältnisse extrem werden würden: In den tiefsten Lagen war der lehmige Lössboden völlig aufgeweicht und ließ die Teilnehmer auf den schlammigen Wegen durch die Weinreben schlittern. Doch schon ab ca. 400 m ging der Schneeregen in Schneefall über und bedeckte die Pfade mit einer Schneeschicht, die mit jedem weiteren Höhenmeter dicker wurde. Sowohl mein Vater, als auch ich waren froh darüber, da wir im strengen Winter oft im Schnee trainiert hatten und die Verhältnisse gewohnt waren.

Schon wieder verlaufen…

So fanden wir schnell unseren Rhythmus und ich konnte mich bereits nach ca. 5 km auf den 3. Gesamtplatz vorarbeiten. Als ich nach knapp 29 km den höchsten Punkt erreichte, habe ich einen komfortablen Vorsprung auf meine Verfolger herausgelaufen. Doch dann verpasste ich im dichten Schneesturm eine Abzweigung und rannte fälschlicherweise auf der tief verschneiten Fahrstraße bergab. Zwar bemerkte ich meinen Fehler bald, aber als ich wieder auf der regulären Strecke war habe ich durch den „Extrakilometer“ zwei Plätze verloren und musste mit einem mentalen Durchhänger kämpfen. Jürgen fand problemlos den richtigen Weg und durch die Erfahrung früherer Ultra-Läufe (Bodensee-Umrundung, Island,…) bereitete ihm der Gedanke an die noch folgenden 20 km keine Schwierigkeiten. Als es mir gelang, einen verlorenen Platz wieder gut zu machen, fand ich wieder meinen Rhythmus und heftete mich an den Drittplatzierten Quentin Stephan, der für das Trailrunning-Team von Lafuma startet.

Podestplatz dank starkem Schluss

Auf der langen Bergab-Passage konnte sich der Franzose zwar leicht absetzen, doch auf dem kräftezehrenden, schlammigen Auf und Ab der letzten 10 km gelang es mir den Podestplatz zurückzuerobern. So  erreichte ich nach 04:07:34 mit letzter Kraft, aber überglücklich über den 3. Gesamtplatz das Ziel in Rouffach. Mein Vater lieferte sich ebenfalls einen harten Kampf mit seinen Konkurrenten. Mehrmals musste er bei Bergauf-Passagen Läufer vorbeilassen, doch spätestens bei den nächsten Flachpassagen konnte er sie wieder einholen. Trotz seiner verletzungsbedingt kurzen Vorbereitungszeit, erreichte er nach hervorragenden 05:13:59 als Gesamt 86. und 7. seiner Altersklasse das Ziel. Trotz oder gerade wegen der widrigen Wetterbedingungen ein tolles Saisoneinstieg!

 

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