Magnifico finale di stagione a UTLO

Nicht nur Finale, sondern auch Highlight

Wie schon im Vorjahr ist der UTLO das Finale der Wettkampfsaison. Der Lauf bietet sich hierfür einfach perfekt an: so spät im Jahr gibt es nicht mehr allzu viele Wettkämpfe in den Alpen, die „Eckdaten“ passen und vor allem sind Trails und Landschaft absolut genial. Eigentlich ist der UTLO nicht nur das Finale, sondern gleichzeitig ein Highlight in der Saison!

Goldener Oktober

Ebenso wie im letzten Jahr begleiten mich meine Freund Christian und Judith sowie mein Vater auf dem Ausflug ins Piemont. Chris und Judith um beim 55 km Lauf teilzunehmen, mein Vater leider nur als Zuschauer – ihn plagen gleich 2 Leistenbrüche :-(. Als wir bei der Anfahrt eine kurze Kaffeepause in Bellinzona machen, kommen regelrecht Sommergefühle auf: die Sonne knallt vom strahlend blauen Himmel und es hat gut 25°C. Verhältnisse also, die wieder einen perfekten Tag versprechen!
Und doch hat sich im Vergleich zu 2014 etwas geändert: Start und Ziel ist nicht mehr in dem verschlafenen Dorf Pogno, sondern in Omegna. Und ausserdem ist die Strecke deutlich anspruchsvoller geworden: länger, mehr Höhenmeter, steiler und technischer. Weitere Gründe, weshalb ich mich richtig freue auf den morgigen Samstag!

Sägezahn-Profil

Sägezahn-Profil

Fauxpas beim Start

Als der Wecker um 3:30 Uhr klingelt ist von der Freude erst mal nichts zu spüren. Es ist einfach verdammt früh und ich würde liebend gerne weiterschlafen. Aber nach einer kurzen Dusche und einem erzwungenen Frühstück (Honigbrot und lauwarmer Pulverkaffee aus der Thermoskanne) verschwindet die Müdigkeit und macht der typischen Mischung aus Vorfreude und Nervosität Platz. Ich habe riesiges Glück: unser Hotel liegt vielleicht 100 m vom Start entfernt, so dass ich erst 15 Minuten vor dem Start los muss. Nach dem obligatorischen Gang zur Toilette unmittelbar vor dem Start, mische ich mich unter die aufgeregten Starter, irgendwo im vorderen Drittel und warte auf den Startschuss. Aber der ertönt erst mal nicht, mittlerweile ist es schon 5:03 Uhr. Was ist denn los denke ich, als ein Offizieller aufgeregt meinen Namen ruft. Ich soll sofort einchecken (= Zeitmess-Chip aktivieren). Wie peinlich, ich bin also der Grund für die Verspätung. Hätte ich nicht die Startnummer 1 wäre das wohl in die Hose gegangen.

Los geht's!

Los geht’s!

Feuerwerk statt „Highway to Hell“

Nach diesem Fauxpass ertönt der Startschuss erst 7 Minuten später – ganz ohne ACDCs „Highway to Hell“. Wie angenehm! Schon bei der ersten Steigung setzen sich Stefano Trisconi, der letztjährige Zweite, und ich ab. Das Tempo ist angenehm, nicht zu hoch, so dass ich schnell meinen Rhythmus finde. Als wir uns dem ersten Gipfel, dem Monte Mazzocone nähern, kann ich meinen Ohren und Augen kaum trauen: die Organisatoren um Julia Baykovka zünden Feuerwerksraketen! Ich bekomme eine Gänsehaut, so etwas habe ich noch nicht erlebt! Es sind solche Dinge, die den UTLO zu etwas ganz besonderem machen.

Monte Mazzocone

Monte Mazzocone

Monte Croce

Der zweite Anstieg zum Monte Croce hat es echt in sich! Es ist der längste und steilste Anstieg des Wettkampes. Ich bin froh, dass wir so früh hier hoch müssen. Am Ende des Wettkampes wäre das eine richtige Quälerei. Aber jetzt sind die Beine noch frisch und man kann die ersten Sonnenstrahlen des Tages richtig geniessen. Wie schon im letzten Jahr bin ich von dem Ausblick auf dem Monte Croce begeistert: Tief unten der idyllische Ortasee, im Westen das gewaltige Monte-Rosa-Massiv und dazwischen die perfekten Trails, die nur darauf warten von uns erlaufen zu werden 🙂

Deshalb liebe ich den UTLO!

Deshalb liebe ich den UTLO!

Runner’s High und Ultarunner’s Low

Nach dem rassigen Abstieg vom Monte Croce komme ich in diesen rauschhaften Zustand, wo es nur den Weg vor mir und die Natur um mich herum gibt. Alles andere ist ausgeblendet, auch mein Gefühl für Zeit und Distanz. Und so vergehen die nächsten Stunden wie im Flug.

Natürlich geht dieses Hochgefühl irgendwann einmal zu Ende. Das gehört zu einem Ultra einfach dazu. Bei mir ist dies nach rund 60 Kilometern der Fall, als ein anspruchsvoller Trail in Alzo endet und das einzige Flachstück auf Asphalt folgt. Es ist, als ob ein Schalter umgelegt wurde. Plötzlich erscheinen die restlichen knapp 30 Kilometer unendlich weit, ich spüre die Erschöpfung und die Schmerzen. In solchen Situationen versuche ich immer daran zu denken, dass nach einem Tief bis jetzt immer ein Hoch gefolgt ist. Wieso soll es dieses Mal anders sein? Und auch dieses Mal geht es mir bald wieder besser, auch wenn sich der rauschähnliche Zustand natürlich nicht mehr einstellt. Für den Rest des Wettkampfes geht es so weiter, Hochs und Tiefs wechseln sich ab, aber die Grundstimmung bleibt gut.

Endspurt

Nach dem letzten, wirklich zähen Anstieg zur Alpe Berru geht es fast nur noch bergab, so dass ich mich erstmals traue an das nahende Ziel zu denken. Wenn beim Abstieg nichts schief geht, könnte es sich ausgehen mit dem Sieg beim diesjährigen UTLO… Ein Stolpern holt mich zurück auf den Boden der Tatsachen: ich bin am Ende meiner Kräfte und darf den technischen Abstieg nicht auf die leichte Schultern nehmen! Es geht alles gut und als ich bei der letzten Verpflegung 3 Kilometer vor dem Ziel meinen Vater erblicke, huscht mir ein Lächeln übers Gesicht, jetzt sollte nichts mehr passieren. Die letzten Kilometer an Seepromenade von Omegna sind nochmal fies, aber was soll‘s? Ich beschliesse sie einfach zu geniessen und dann ist es so weit: ich darf auch in diesem Jahr als erster die Ziellinie überqueren. Wie ich später erfahre habe ich am Ende 1:38 h Vorsprung auf den Zweitplatzierten Stefano Trisconi. Auch wenn es mir heute sehr gut ging, damit habe ich dann doch nicht gerechnet!

Bis zum nächsten Jahr am Ortasee!

Emotionaler Zieleinlauf

Emotionaler Zieleinlauf!

Nicht zu vergessen: Auch Chris und Judith waren äusserst erfolgreich: beide wurden Gesamt-Dritte beim 55-Kilometer-Lauf! Gratulation ihr beiden!

5 Replies to “Magnifico finale di stagione a UTLO”

  1. Glückwunsch! Beneide dich um dieses Erlebnis und freu
    mich schon drauf irgendwann mal wieder zusammen mit dir eine (große) Runde
    zu laufen 🙂

    Grüße

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