Madrisa Trail: der neue Lauf im Prättigau

Schon wieder ein neuer Traillauf?

Trailrunning boomt. Das merkt man nicht nur an der immer grösseren Schar an leicht bekleideten Läufern, die in den Bergen unterwegs sind. Oder an der immer grösseren Auswahl an spezifischen Produkten in den Sportgeschäften. Sondern auch an den zahlreichen neuen Trail-Wettkämpfen. Vor allem in den deutschsprachigen Teilen der Alpen wie Österreich und der deutschsprachigen Schweiz schiessen sie wie Pilze aus dem Boden. Gefühlt jede Tourismus-Destination will auf den Zug aufzuspringen, in dem sie einen neuen Traillauf veranstaltet. Aber ganz so einfach ist es halt doch nicht. Denn es gibt schon jetzt mehr als genug Wettkämpfe. Gerade in den Sommermonaten finden an jedem Wochenende gleich mehrere solcher Läufe statt. Aber in den meisten Fällen sind es nicht die neuen Wettkämpfe, die die meisten Teilnehmer anlocken, sondern die traditionellen Läufe. Diese Läufe, die es schon gab, bevor der Trailrunning-Hype auch in die deutschsprachigen Regionen geschwappt ist. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber oft ist die Teilnehmerzahl bei den neuen Veranstaltungen überschaubar. Sich zu etablieren wird bei der ständig wachsenden Konkurrenz auch immer schwieriger.
Dementsprechend skeptisch war ich, als auch der Tourismusverband Prättigau und ein neu gegründeter Verein aus Klosters auf mich zugekommen ist und mir von ihren Plänen berichtet hat: Sie wollen 2020 ebenfalls einen neuen Traillauf veranstalten und Trailrunning verstärkt touristisch vermarkten. Trotz meiner Skepsis habe ich natürlich zugesagt, als ich gefragt wurde, ob ich Sie bei beidem unterstützen möchte. Denn eines ist klar: landschaftlich hat das Prättigau einiges zu bieten, gerade auch für Trailläufer!

Streckenbeschreibung Langstrecke

Die Strecke des neuen Wettkampfes (Madrisa Trail) ist dann auch wirklich sensationell. Natürlich hätte ich ein paar wenige Streckenabschnitte anders geführt, bzw. gestrichen. Aber unterm Strich bin ich absolut sicher, dass sie jeden Trailläufer begeistern wird. Mit rund 54 Kilometern und knapp 4’000 Höhenmetern zählt der Lauf sicher zu den anspruchsvolleren „Kurz-Ultras“, sollte für ambitionierte Sportler aber dennoch gut zu meistern sein.
Start- und Zielort ist der bekannte Tourismusort Klosters, zuhinterst im Prättigau.

Zunächst müssen die Teilnehmer ein kleine Schlaufe im Tal zurücklegen. Auf abwechslungsreichen Wurzelwegen im Wald geht es ins Walserdorf Monbiel, wo dann der erste nennenswerte Aufstieg beginnt. Auf aussichtsreichen Weggen erreicht man die erste Verpflegungsstelle beim Bergrestaurant Alpenrösli. Danach geht es richtig los: Nach einem rasanten Abstieg führt ein spassiger Trail nach Schlappin (2. Verpflegungsstelle).

Schlappin

Danach wird es steiler und alpiner. Bald lässt man die Baumgrenze hinter sich und mit jedem Meter in Richtung Schlappiner Joch nimmt das Panorama zu. Auf dem Joch bieten sich dann ganz neue Ausblicke ins österreichische Vorarlberg und das nächste Teilziel ist auch schon auszumachen: Gargellen. Nun auf österreichischem Boden müssen 800 Tiefenmeter vernichtet werden. Erst auf einem steilen, technischen Gebirgspfad, dann kurz auf einer Alpstrasse und zum Schluss wieder auf spassigen Trails im Wald. So ist das malerische Gargellen schnell erreicht. Der nächste Anstieg zum Schafberg hats in sich. Steil schlängelt er sich durch das Gargellner Tobel, vorbei an der Gargellner Alpe zum Schafberghaus, wo die nächste Verpflegungsstelle auf die Teilnehmer wartet. Hier sollte man gut aufladen, denn bis zum nächsten Verpflegungsposten ist es weit und es gibt nur eine natürliche Wasserstelle. Dafür beginnen jetzt die Highlights: nach einem kurzen Abstieg durchs Skigebiet führt ein absoluter Traum-Trail zum Bergrücken Täscher, dem man bis zur Österreich-Schweizer Grenze unterhalb des Riedchopfes folgt. Von da ist es nicht mehr weit bis zum St. Antönier Joch (Verpflegungsstelle), wo ein weiterer sensationeller Streckenabschnitt beginnt.

Das Sahnestück der Strecke. HInten rechts das Rätschenhorn, dem höchsten Punkt des Rennens

Der technisch anspruchsvoller Pfad führt dem Grat entlang bis zum Gafier Joch. Man verlässt ihn nur für einen kurzen Abstecher zum Gafiersee, der so malerisch liegt, dass der eine oder andere sicher eine längere Pause machen möchte. Aber der Weg ist noch weit. vom Gafier Joch führt ein technischer Abstieg zu den Gafier Platten, die aussehen als wären sie ein Gletscher. Man folgt ihnen bis zum Rätschenjoch und dann betritt man diese riesige Karstfläche. Der Weg ist nun sehr mühsam, denn auf den zerfurchten Kalkfelsen liegt jede Menge loser Schutt. Aber bald ist es geschafft und man erreicht den höchsten Punkt, das Rätschenhorn. Mit seiner Aussicht ist es wahrlich das Highlight der Strecke. Von hier an geht es im Prinzip nur noch bergab, aber der Weg über den Saaser Calanda zur Bergstation Madrisa ist sehr technisch und erfordert von den müden Läufern alles ab. Auch der letzte Teil das Abstiegs zurück nach Klosters beansprucht die Bremsmuskeln ordentlich, aber wenn man die letzte Verpflegungsstelle bei der berühmt-berüchtigten Kanonenbar erreicht, ist es nicht mehr weit bis zum Ziel. Ein flacher Weg führt über die offenen Wiesen unterhalb von Klosters zur Talstation der Gotschnabahn und von ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Ziel.

Der technische Abstieg vom Rätschenhorn

Neben der beschriebenen Langstrecke T54 wird ein kürzerer, ca. 24 Kilometer langer Lauf mit 1’100 Höhenmetern angeboten. Dieser verläuft grösstenteils im Tal und spricht deshalb eine andere Zielgruppe an. „Waschechte“ Trailrunner sollten also unbedingt die Langdistanz in Angriff nehmen.

Weitere Infos auf der Homepage des Laufs: www.madrisatrail.ch

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