In 25:38:40 h von Ruhpolding nach Sexten

Den Bericht über den Transalpine-Run nach den 8 Etappen zu schreiben, ist natürlich suboptimal. Besser wäre es gewesen, nach jeder Etappe die noch frischen Eindrücke nieder zu schreiben. Dass ich das nicht getan habe, war eine bewusste Entscheidung, da ich mich voll auf den Wettkampf konzentrieren wollte. Und abgesehen vom täglichen Check des Wetterberichts, bedeutete das eben auch, offline zu sein. Um es vorwegzunehmen: Das war die richtige Entscheidung. Bei zukünftigen Mehrtages-Wettkämpfen werde ich das wieder so machen!

Ruhe vor dem Sturm (oder Regen)

Kurz bevor es nach Ruhpolding geht, studiere ich nochmals den aktuellen Wetterbericht. Wie es aussieht soll es nach 3 schlechten Tagen richtig gut werden. Das stimmt mich zuversichtlich. Vielleicht haben wir ja ausnahmsweise einmal Wetterglück? Mir ist das wirklich wichtig, schliesslich will ich die mir grösstenteils unbekannten Bergen auch sehen! Die Gedanken an das Wetter lenken mich etwas ab. Zum Glück, denn die Anspannung ist mindestens so gross wie schon beim Zugspitz Ultratrail. Startnummer 1 und ein hochmotivierter Teampartner: die nächsten 8 Tage werden mit Sicherheit hart!

Nach der obligatorischen Pasta-Party werfe ich einen Blick Richtung Himmel und kann Sterne sehen. Das ist ja wunderbar! Dieses Mal täuschen sich die Wetterfrösche zu unseren Gunsten. Ganz bestimmt!

Bei der Registrierung. Wo bin ich? Tipp: Nach der Körpergrösse gehen.

Bei der Registrierung. Wo bin ich? Tipp: Nach der Körpergrösse gehen. (© SPORTOGRAF.COM)

Etappe 1: Regen, Matsch und Forstautobahnen

Erstaunlicherweise konnten Mirco und ich ausgezeichnet schlafen. Das ist wirklich aussergewöhnlich, denn normalerweise wälze ich mich in der Nacht vor einem Wettkampf nur unruhig hin und her. Umso besser, dass es dieses Mal anders war. Wenn jetzt noch das Wetter mitspielt, steht einem erfolgreichen Start des TAR ja nichts im Wege! Was ich sehe, als ich die Gardinen zur Seite ziehe, ist dann aber weniger erfreulich: Graue, tief hängende Wolken und Regen. Klar. Hat man im Sommer 2014 etwas anderes erwartet? Also abhaken und das Beste daraus machen.

Nach dem Frühstück warten wir noch in unserem Hotelzimmer, um nicht all zu lange im strömenden Regen auf den Start warten zu müssen. Eigentlich eine gute Idee, wenn wir das Auto nicht auf den Dauerparkplatz hätten abstellen müssen… Den haben wir beim ersten Versuch nämlich nicht gefunden und Zeit zum Suchen haben wir ja nicht eingeplant. Gestresst fahre ich zum Start und frage bei einem Streckenposten nach dem Parkplatz. Er erklärt mir den Weg und ich fluche. Das wird verdammt knapp! In dem Moment habe ich mehr Glück als Verstand, denn Silke, die Freundin von Tom Wagner, hat das alles mitbekommen und fragt mich ganz ruhig, ob sie das Auto für mich auf den Parkplatz stellen soll. Puuh, ich bin mehr als erleichtert, ohne Silke wäre der Start wohl in die Hose gegangen. Also: DANKE Silke!

Regen, Regen, bloss nicht aufregen. (© SPORTOGRAF.COM)

Regen, Regen, bloss nicht aufregen. (© SPORTOGRAF.COM)

Bei strömendem Regen fällt um 9:00 Uhr der Startschuss, das Abenteuer Transalpine-Run beginnt. Die erste Etappe verläuft wie befürchtet. Auf den endlosen Forstautobahnen wird ein hohes Tempo angeschlagen. Und obwohl man sich fest vorgenommen hat, vernünftig zu sein und seine Kräfte einzuteilen, geht man das Tempo mit. Letztlich setzen sich vier Teams ab: Team LA SPORTIVA – MULTIPOWER aus Spanien mit dem TAR-Sieger von 2011 Castan David Lopez & Alfredo Gil, Team SCOTT GORE-TEX FOOTWEAR aus Frankreich (David Pasquio & Pascal Giguet), Team PEAK PERFORMANCE aus Schweden (André Jonsson & Johan Johansson) und wir. Die Schweden sind extrem stark und können uns auf der ersten, 48.70 km langen Etappe knapp 1.5 min abnehmen. Wir sind trotzdem zufrieden, zumal wir gut 12 min Vorsprung auf die Drittplatzierten Spanier herauslaufen konnten.

Etappe 1 wäre geschafft! (© SPORTOGRAF.COM)

Etappe 1 wäre geschafft! (© SPORTOGRAF.COM)

Der Rest des Tages verläuft unspektakulär. Duschen, Essen, Massage, Pasta-Party & Siegerehrung und vor dem Schlafengehen noch einen Blick auf den Wetterbericht: Wenn wir uns morgen beeilen, könnten wir noch vor dem grossen Regen nach Neukirch kommen…

Etappe 2: Wetterglück

Trotz des gestrigen Tempobolzens fühlen sich meine Beine ganz gut an. Das ist sehr gut, denn auch heute steht eine schnelle, lange Etappe mit vielen langweiligen Forstwegen auf dem Programm. Erst nach 30 Kilometer soll es mit dem Aufstieg zur Herrensteigscharte endlich alpin werden. Wie schon gestern laufen wir vier Teams an der Spitze und spulen die zähen Kilometer bis zur 3. Verpflegungsstelle ab. Immerhin ist das Wetter noch ganz passabel und erlaubt uns einen Blick auf die Kitzbüheler Berge zu werfen. Auf dem langen, immer steiler werdenden Anstieg müssen wir erneut die Schweden ziehen lassen. Sie sind auch heute wieder zu stark für uns und so ist unser Ziel den 2. Platz abzusichern. Das gelingt uns auch ganz gut. Am Ende verlieren wir auf die Schweden knapp 10 Minuten, können aber 7 Minuten auf die Spanier herauslaufen. Mirco und ich sind damit zufrieden – Obwohl wir merken, dass von uns erwartet wird zu gewinnen.

Der letzte Teil der 2. Etappe macht sichtlich Spass (© SPORTOGRAF.COM)

Der letzte Teil der 2. Etappe macht sichtlich Spass (© SPORTOGRAF.COM)

Wir haben es tatsächlich geschafft, komplett ohne Regen ins Ziel zu kommen. Doch schon wenig später wird es ungemütlich. Die aufziehende Kaltfront kündigt sich an. Sie soll Schnee bis unter 2000 m und starken Wind mit sich bringen. Beim Briefing für den nächsten Tag, die bei der Bergstation der Wildkogelbahn stattfindet, werden uns 3 mögliche Pläne für den morgigen Tag vorgestellt:

  • Plan A: Die Etappe wird wie geplant gelaufen, wobei der höchste Punkt des TAR, die Birnlücke (2667 m) passiert wird.
  • Plan B: Das Rennen wird beim Krimmler Tauernhaus, also vor Beginn des Aufstiegs zur Birnlücke beendet. Der Rest der Etappe wird ausser Konkurrenz gelaufen.
  • Plan C: Es wird eine Alternativroute im Tal rund um Neukirchen gelaufen. Anschliessend werden die Läufer mit dem Bus zum ursprünglichen Etappenziel Prettau im Tauferer Ahrntal geshuttelt.

Natürlich hat jeder gehofft, dass Plan A zum Zuge kommt, doch als wir das Bergrestaurant verlassen, ist klar, dass es auf Plan C hinauslaufen wird. Es ist saukalt, schüttet wie verrück und es stürmt.

Etappe 3: Spass auf der Talrunde

Nachdem uns der Wecker aus dem immer noch tiefen und erholsamen Schlaf gerissen hat, ziehen wir voller Hoffnung die Gardinen vor den Fenstern. Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass wir heute über die Birnlücke ins Tauferer Ahrntal laufen können. Wie naiv. Es herrscht nach wie vor Weltuntergangsstimmung und wenn man die Berghänge nach oben blickt, kann man den frischen Schnee erkennen. Es hat bis unter die Baumgrenze geschneit. Kurz danach bekommen wir dann auch Bescheid: Plan C wird umgesetzt. Es ist natürlich die einzig richtige Entscheidung. Trotzdem bin ich enttäuscht, denn so ist das Projekt Transalpine-Run irgendwie nicht komplett.

Das Beste am Plan C ist der auf 10:00 Uhr verschobene Start. So bleibt ausreichend Zeit, in Ruhe zu frühstücken und sich noch ein wenig auszuruhen. Die Runde im Tal macht entgegen der Erwartung mächtig Spass: Sie ist sehr abwechslungsreich und im Vergleich zu den Vortagen sind sehr viel mehr Trails dabei. Das Wetter ist eigentlich auch kein Problem, da der Regen langsam nachlässt. Den grössten Teil des Rennens laufen die beiden Schweden, die beiden Spanier und wir an der Spitze des Feldes. Am letzten Anstieg attackieren dann die Spanier, sie schaffen es jedoch nicht uns abzuhängen. Und so laufen wir gemeinsam dem Ziel entgegen – in immer höherem Tempo. Letztlich kommt es zum Schlussspurt, den Mirco und ich für uns entscheiden können! Natürlich ändert das nicht viel an der Gesamtwertung. Trotzdem ist dieser Sieg mental sehr wichtig für uns. Die Schweden sind also nicht unschlagbar!

Auf der Talrunde (© SPORTOGRAF.COM)

Auf der Talrunde (© SPORTOGRAF.COM)

Der Rest des Tages ist ziemlich stressig: Bustransport nach Sand, verzweifelte Suche nach unserer Unterkunft, erst falsche Taschen bei der Unterkunft, Fahrt nach Prettau, sehr gutes Essen, aber viel zu kleine Portionen, Siegerehrung & Briefing, Rückfahrt nach Sand… Als ich nach dem zweiten Abendessen in unserem Appartement ins Bett falle, bin ich echt fertig. Aber ich freue mich auch, denn die morgige Etappe wird bestimmt grossartig und endlich, endlich soll auch das Wetter mitspielen!

Etappe 4: Das erste Highlight!

Es ist kurz vor halb sieben als wir in Sand auf den Bus warten, der uns zum Start in Prettau transportieren soll. Das Wetter schaut nicht schlecht aus: Restbewölkung und ziemlich kalt, ABER: niederschlagsfrei! Ideale Bedingungen also, um die 4. Etappe in Angriff zu nehmen. Beim Start in Prettau haben wir gerade einmal 4°C, aber auf den ersten 5 Kilometern zur ersten Verpflegungsstelle wird uns schnell warm. Es geht mal wieder ordentlich zur Sache: Die Spanier machen Druck, die Schweden und wir ziehen mit. In der Sechsergruppe schrauben wir uns den herrlichen Zickzack-Pfad durch den frischen Schnee hinauf zur Bretterscharrte und stürzen uns dann in rasantem Tempo hinunter nach Rein.

So macht das Spass (© SPORTOGRAF.COM)

So macht das Spass (© SPORTOGRAF.COM)

Nach einer kurzen Verschnaufpause bei der Verpflegungsstelle geht es zum zweiten Anstieg hinauf zur Mayerhoferalm. Erst auf ekelhafter Schotterstrasse, dann aber auf einem wunderschönen Pfad. Meine Beine fühlen sich ausgesprochen gut an und ich weiss, dass wir attackieren müssen, wenn wir die heutige Etappe gewinnen wollen. Deshalb verschärfe ich das Tempo, sobald wir auf besagten Pfad einbiegen und der Plan geht auf. Mirco zieht mit und wir erreichen als erste den zweiten Höhepunkt der Etappe. Kurz vor den Spaniern und den Schweden! Auf dem technischen, herrlichen Trail durch die Zirben und dem rasanten Downhill geben wir alles. Das ist heute unsere Etappe! Und tatsächlich erreichen wir als erstes Team das Ziel in Sand knapp 3 Minuten vor den ebenfalls stark gelaufenen Spaniern. Aber wo bleiben die Schweden? Wir bekommen mit, dass sie aufgrund einer Verletzung von André Jonsson aufgeben mussten. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Wir sind echt enttäuscht. So die Führung zu übernehmen macht keinen Spass, wir wollten das mit den beiden ausfechten! An dieser Stelle gute Besserung an André. Es tut uns wirklich leid, aber ihr bekommt ganz sicher die Möglichkeit zur Revanche!

BBBBB (© SPORTOGRAF.COM)

Im Ziel! (© SPORTOGRAF.COM)

Etappe 5: Kurz und knackig

Auch wenn es komisch klingen mag, vor dem Bergsprint habe ich am meisten Bammel. Die hohe Intensität nach vier schweren Etappen wird bestimmt unangenehm. Wir nehmen uns zwar vor, nicht alles herauszuquetschen und unsere Kräfte für die kommenden Tage aufzusparen. Doch insgeheim befürchten wir, dass dieser Vorsatz maximal bis zum Startschuss hält. Apropos Start, als mittlerweile Führende der Gesamtwertung kommen wir erst um 11:50 Uhr dran. Das hört sich erst mal nicht schlecht an, ist aber grausam. Man versucht irgendwie die Zeit totzuschlagen und wird dabei immer aufgeregter. Aber auch das geht vorbei und zur geplanten Zeit legen wir los. Wir starten gemeinsam, aber jeder läuft sein eigenes Tempo. Es geht rasant los, kurz nach dem rund 1 Kilometer langen Flachstück überhole ich die ersten Läufer. Ich bin ziemlich am Anschlag, klar, aber es geht mir wirklich gut. Kurz danach tauchen die beiden Spanier vor mir auf. Ich bin etwas erstaunt, hatte nicht erwartet überhaupt und dann auch schon so früh zu ihnen aufzuschliessen. Ich beschliesse, mich einfach an den langsameren der beiden Spanier zu hängen. In der Einzelwertung bin ich so immer noch schneller als sie. Und für die wichtigere Gesamtwertung ist ja der langsamere Teampartner entscheidend, ich würde also unnötig Kraft verpulvern, wenn ich schneller laufe. Den ursprünglichen Plan (Kräfte sparen usw.) kann ich also doch einhalten und bin sogar noch Zweiter der Einzelwertung geworden 🙂 Mirco hat sich ebenfalls tapfer durchgekämpft und so verlieren wir nur etwas mehr als eine Minute auf die Spanier. Super! Der morgige Tag kann kommen.

Siegerehrung im Ziel beim Speickboden (© SPORTOGRAF.COM()

Siegerehrung im Ziel beim Speickboden (© SPORTOGRAF.COM)

Etappe 6: Langer Anstieg mit langem Anlauf

Ich bin ein wenig zwiegespalten, was das Höhenprofil der 38.5 km langen Etappe von Sand nach St. Vigil angeht. Einerseits sollte mir der lange Anstieg auf den Kronplatz liegen, andererseits sind bis dorthin wieder (zu) viele flache Kilometer z. T. auf Asphalt abzuspulen 🙁

Zunächst verläuft das Rennen ganz angenehm, nach dem Warmlaufen folgt ein herrlicher Abstecher hinauf nach Unteregelsbach. Auch der Abstieg auf fluffigem Waldboden-Trail macht mächtig Spass, aber die darauf folgenden 15 Kilometer sind mit die schlimmsten des ganzen TAR: Asphaltierte Radwege im Tal bis nach Bruneck. Ich glaube es gibt keinen Teilnehmer, der nicht froh ist, die zweite Verpflegunsstelle am Fusse des Kronplatzes erreicht zu haben. Zu Beginn des Anstiegs sind neben den Spaniern noch die beiden Einzel-Läufer Ryan Smith und Johan Johansson bei uns. Vielleicht ist es der Frust über das unglückliche Aus seines Teampartners, der den Schweden beflügelt. Er legt ein hohes Tempo vor, dem die restlichen Teams nicht folgen können. Mirco zeigt wieder einmal seinen unglaublichen Kämpferwillen und erreicht zusammen mit den Spaniern den Gipfel des Kronplatzes. Eine gute Ausgangssituation für uns, da wir die besseren Bergabläufer sind. Und so schaffen wir es auch heute wieder, als schnellstes Team das Ziel in St. Vigil zu erreichen.

Zu Beginn des langen Anstiegs zum Kronplatz (© SPORTOGRAF.COM)

Zu Beginn des langen Anstiegs zum Kronplatz (© SPORTOGRAF.COM)

Wir sind ziemlich erschöpft. Die lange Flachpassage und vor allem der ekelhafte Downhill auf Asphalt haben unseren Beinen sehr zugesetzt. Aber klar ist auch, dass es den anderen Läufern genauso geht. Also kein Grund zur Sorge. Wir überlegen, ob wir erst essen oder besser unsere Unterkunft suchen sollen, um uns zu duschen. Da wir nach der harten Etappe mächtig Hunger haben und die Zielverpflegung – Reis mit Thunfisch, Oliven, Mais & Erbsen 🙂 -unwiderstehlich aussieht, entscheiden wir uns für letzteres. Zwar sind wir danach satt, trotzdem wäre es besser gewesen erst zu duschen. Denn mittlerweile frieren wir wie die Schlosshunde. Es weht ein unangenehmer Wind und vor die Sonne haben sich mal wieder dicke Wolken gezogen. Es ärgert mich, dass uns so ein blöder Fehler passiert und hoffe, dass er ohne Folgen bleibt…

Etappe 7: Die Königsetappe

Es ist kurz nach 4:00 Uhr, als ich aufwache. In den letzten Tagen hat sich mein Stoffwechsel etwas verändert, ich muss zu den komischsten Tages- und eben auch Nachtzeiten auf die Toilette (also nicht nur „Klein“). Aber das beunruhigt mich keineswegs, dafür aber die Halsschmerzen und der Druck in meinem Kopf. Scheisse, ich habe mir also wirklich was eingefangen gestern. Ich versuche, mich nicht verrückt zu machen. Sooo schlecht fühle ich mich nicht, ans Aufhören denke ich keine Sekunde. Trotzdem kann ich nicht mehr einschlafen. Mir gehen die unterschiedlichsten Szenarien durch den Kopf, ich rechne mir aus, wie viel Zeit wir verlieren, wenn ich wandern muss. Eigentlich schade, dass meine Gedanken blockiert sind, denn die heutige Etappe soll gewaltig werden: Senneshütte, Ofenscharrte, Pragser Wildsee, Weisslahnsattel – ein Highlight nach dem anderen.

Warm eingepackt und etwas verunsichert beim Start der 7. Etappe in St. Vigil (© SPORTOGRAF.COM)

Warm eingepackt und etwas verunsichert beim Start der 7. Etappe in St. Vigil (© SPORTOGRAF.COM)

Nach dem Frühstück fühle ich mich besser, so langsam kommt die Euphorie zurück. Trotzdem ziehe ich mich heute warm an. Jacke und das TAR-Buff um den Hals. Sicher ist sicher. Nach den ersten zwar flachen aber ungeheuer spassigen Kilometern auf den Trails entlang des St. Vigilbachs habe ich die Erkältung (oder was auch immer es ist) nahezu vergessen. Zwar fühlen sich meine Beine heute ziemlich schlecht an, aber wer sagt, dass das an der Erkältung liegt? Schliesslich ist heute der siebte Tag und das gestrige Bergab-Bolzen auf Asphalt steckt mir sicher auch noch in den Beinen. So bin ich ganz froh, dass beim ersten Anstieg zur Senneshütte ein im Vergleich zu den Vortagen recht gemächliches Tempo angeschlagen wird. Es laufen wieder die beiden Spanier sowie Ryan und Johan mit uns, aber niemand nimmt das Zepter in die Hand und so erreichen wir ziemlich entspannt die spektakulär gelegene Ofenscharrte. Der teilweise drahtseilversicherte Abstieg und der nasse und deshalb glitschige Kalk zwingen uns auch bergab zu einem langsamen Tempo. Trotzdem können Ryan, Mirco und ich uns von den Spaniern und Johan absetzen und wir erreichen mit einem kleinen Vorsprung den malerischen Pragser Wildsee.

Genau so soll es sein! (© SPORTOGRAF.COM)

Genau so soll es sein! (© SPORTOGRAF.COM)

Ich kann meinen Augen kaum trauen, als ich unter den Zuschauern meine Schwester und ihren Freund erkenne. Was für eine freudige Überraschung, die mich zusätzlich motiviert! Zudem ist der vor uns liegende 700-Hm-Anstieg zur Weisslahnscharrte genau nach meinem Geschmack: steil, technisch, atemberaubende Landschaft. Deshalb beschliessen wir nochmal Druck zu machen. Wir wollen heute den Sack zu machen, so dass wir mit einem beruhigenden Zeitpolster auf die Spanier bei der letzten Etappe starte können. Unser Plan geht auf und wir erreichen zusammen mit Ryan und 8 Minuten Vorsprung auf das Team LA SPORTIVA – MULTIPOWER das Ziel in Niederdorf. Im Gesamtklassement haben wir damit mehr als eine halbe Stunde Vorsprung. Jetzt kann uns eigentlich nur noch eine Verletzung oder eben meine Erkältung einen Strich durch die Rechnung machen. Heute achte ich peinlichst genau darauf, nicht auszukühlen und glücklicherweise fährt uns meine Schwester sofort in unser Hotel in Sexten. Jetzt schnell die Taschen schnappen und ab unter die Dusche. So weit alles perfekt, doch wo sind unsere Taschen? Irgendetwas muss schief gegangen sein, denn die sind nicht hier. Nach langem Hin- und Hertelefonieren wird uns zugesichert, dass unsere Taschen so schnell wie möglich geliefert werden. Darauf warten wir aber nicht, sondern gehen direkt unter die Dusche. Anschliessend kriechen wir nur mit einem Handtuch bekleidet ins Bett und warten auf unsere Taschen. Und warten. Nach gut 3 Stunden kommen die Taschen endlich. Es war also die richtige Entscheidung, sofort duschen zu gehen!

Etappe 8: Ein würdiges Finale!

Ich fühle mich heute früh ähnlich wie gestern. Da auch das Wetter gut werden soll, spricht also nichts gegen ein grandioses Finale im Angesicht der 3 Zinnen! Ich freue mich wirklich auf die Etappe, wobei ich hoffe, dass es heute etwas lockerer zugeht. Schliesslich ist unter normalen Umständen am Gesamtklassement nicht mehr viel zu ändern. Schon nach wenigen Metern wird klar, dass es zunächst nicht locker wird. Auf den ersten 15 flachen Kilometern wird mal wieder Tempo gebolzt. Zugegeben, ich habe darauf keine Lust, trotzdem gehen wir das Tempo mit, schliesslich wollen wir uns auf der letzten Etappe keine Blösse geben. Das hohe Tempo wird auch zu Beginn des Anstiegs zur Dreizinnenhütte beibehalten. In Führung liegt Johan, dahinter laufen Alfredo, Ryan und ich in einer Verfolgergruppe. Da Alfredos Teampartner und Mirco zurückliegen, ist es eigentlich völlig idiotisch, dass wir uns so anstrengen. Als dann plötzlich die 3 Zinnen in ihrer ganzen Pracht vor uns auftauchen, werden wir vernünftig. Das Tempo wird schlagartig gedrosselt und wir geniessen die unbeschreiblich schöne Landschaft. Bei der Dreizinnenhütte halten wir sogar an und machen gegenseitig Fotos 🙂 Gerade als Mirco den höchsten Punkt erreicht, kommt Stephan Repke alias Gripmaster an. Klar, dass weitere Bilder gemacht werden, bevor wir uns endlich in den letzten Abstieg stürzen.

Foto-Shooting vor gewaltiger Kulisse (© Stephan Repke)

Foto-Shooting vor gewaltiger Kulisse (© Stephan Repke)

Ok, stürzen ist der falsche Ausdruck. Denn das Bummel-Tempo wird beibehalten. Schon komisch, vor einer halben Stunde waren wir voll im Wettkampf-Modus und haben alles gegeben, jetzt trödeln wir herum. Uns ist das gerade recht, denn das gibt uns die Möglichkeit, die letzten Kilometer bis ins Ziel so richtig zu geniessen. Der Zieleinlauf selbst ist wie immer schwer in Worte zu fassen. Es ist überwältigend. Besser kann ich es nicht beschreiben.

Emotionaler Zieleinlauf in Sexten (© SPORTOGRAF.COM)

Emotionaler Zieleinlauf in Sexten (© SPORTOGRAF.COM)

DANKE für die zahlreichen Glückwünsche!

DANKE an alle, die uns unterstützt haben!

DANKE, dass wir so viele neue Leute kennen lernen durften!

DICKES LOB an die perfekte Organisation von Plan B!

Kleine Anmerkung zum Schluss: Die Glückshormone haben meine Erkältung bis zur Siegerehrung einigermassen zurückhalten können. Am Sonntagmorgen war aber Schluss, ich bin richtig krank geworden. Die Rückreise, und ganz besonders die zähe Autofahrt von Ruhpolding nach Radolfzell, waren härter als jede Etappe. Aber jetzt, wo ich den Bericht schreibe (es ist Mittwoch), habe ich das Schlimmste bereits überstanden. Das Fieber ist weg und ich fühle mich eigentlich wieder ganz gut.

3 Replies to “In 25:38:40 h von Ruhpolding nach Sexten”

  1. Pingback: Mirco und Stephan gewinnen Jubiläumsausgabe des Transalpine-Run! »

  2. Herzlichen Glückwunsch zu dieser super Leistung.
    Ich fand es auch schade das die Schweden ausgeschieden sind, denn das wäre garantiert ein klasse „Kampf“ geworden…aber die Revanche habt ihr ihnen ja versprochen, von daher darf man gespannt sein was nächstes Jahr kommt. 😉

    Schade das bei der Premiere des TAR so viele Asphaltanteile dabei waren. Gepaart mit dem schlechten Wetter geht das sicher gehörig an die Substanz. Zum Glück war zum Ende hin das Wetter deutlich besser; so wurde man für die „Qualen“ gebührend entschädigt.

    Gute Besserung (das schlimmste ist ja überstanden), gute Regeneration und weiterhin viel Spaß auf den Trails

    Viele Grüße aus Bad Reichenhall

    Steve

  3. Glückwunsch ihr beiden, tolle Leistung,
    ich als Teilnehmer konnte ja jeden Tag die Siegerehrung mit verfolgen. ALs Marathon und Ultraläufer war das Traillaufen für mich Neuland. Jeder Läufer jammerte über die angeblich anstrengenden flachen Forstwege und Teerstrassen. ich war froh über die Abwechslung und hab mich wohlgefühlt. Die Trails lagen mir nicht so aber trotzdem haben wir als Team gefinisht in einer passablen zeit und es hat Spass gemacht. Aber ich bin nun mal Läufer und sobald ich gehen muss ist das laufgefühl weg.
    Werde aber auf jeden Fall wieder teilnehmen und mal die Westroute ausprobieren.
    Euch beiden noch viele erfolgreiche Trailläufe
    Gruß aus Bamberg
    Heribert
    Team Vorra (Start Nr. 57)

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