Haute Route Graubünden – diesmal zu Fuss

Schon als ich im April dieses Jahres die Haute Route Graubünden mit den Tourenski gemacht habe, dachte ich daran eine ähnliche Tour mit den Laufschuhen zu machen. Der Gedanke ist über den Sommer wieder in den Hintergrund gerückt, weil ich verletzungsbedingt sowieso nur mit dem Velo unterwegs war. Und ausserdem war 2018 der Niesengrat das grosse Laufprojekt. Auf der Geburtstagstour auf den Piz Kesch und einer 4-Gipfeltour Anfang Oktober, kam mir die Tour wieder in den Sinn. Wieso sollte ich es nicht noch in diesem Jahr durchziehen? Die Tage sind zwar nicht mehr so lang, aber noch sind die Verhältnisse ausgezeichnet!

„Schnell und einfach“ oder spektakuläre Monstertour?

Beim Planen der Strecke haben sich schnell zwei Varianten rauskristallisiert: Entweder ich versuche so viel Gipfel mitzunehmen wie möglich, oder ich bleibe auf den Wanderwegen und versuche so effizient wie möglich zum Ziel zu gelangen. Natürlich wäre die erste Variante die spektakulärere und anspruchsvollere gewesen, aber es liegen so viele Berge auf dem Weg, dass die zu bewältigenden Höhenmeter durch die Decke gegangen wären. Aber auch die leichte „Wanderweg-Variante“ mit Start in Klosters und Ziel in St. Moritz ist mit rund 75 km und 5000 hm ein ordentlicher Brocken. Für eine so kurzfristig geplante Aktion immer noch mehr als genug.

Schnell und einfach und einsam!

Los geht’s um kurz nach halb sechs am Bahnhof in Klosters. Die Temperaturen sind frostig, aber der sternenklare Himmel kündigt einen weiteren Traumtag an. Die einfachen Wanderwege aufs Hüreli, über den Pischagrat, wieder hinab nach Tschuggen und neben der Passstrasse zum Flüelapass sind ideal zum Warmlaufen.

Danach wird’s spannender. Der Wanderweg über die Fuorcla Radönt zur Grialetschhütte ist sehr gut markiert, aber keine Wanderautobahn mehr. Vor allem im Blockgelände unterhalb der Südflanke des Piz Radönt ist Laufen nur zum Teil möglich. Zwischen der Grialetsch- und Kesch-Hütte ist man wieder auf gut gepflegten Panoramatrails unterwegs. Zeit genug also, um die wunderschöne Bündner Bergwelt hinter Davos zu geniessen. Normalerweise ist die Keschhütte gut besucht – Wanderer, aber vor allem auch Biker gönnen sich hier gerne eine Pause. Heute ist kein Mensch zu sehen, da die Hütte nicht mehr geöffnet ist. Auch ich esse nur kurz einen Riegel und nehme dann das Highlight der heutigen Tour in Angriff: die Querung des Vadret da Porchabella zur Porta d’Es-cha und damit der Übergang ins Engadin. Ich habe keine Steigeisen dabei, aber auf dem ohnehin recht flachen Gletscher liegt ein bisschen Altschnee, so dass es auch mit den Trailschuhen kein Problem ist.

Goldener Oktober im Engadin

Von der ebenfalls geschlossenen Es-ch-Hütte zum Albulapass treffe ich zum ersten Mal heute auf Wanderer und Biker. Auch bei den idyllisch gelegenen Lais digl Crap Alv und dem Übergang ins Val Bever (Fuorcla Crap Alv) herrscht reger Betrieb. Verwunderlich ist das nicht, denn gerade im Val Bever mit seinen Lärchen ist der Oktober so golden wie er nur sein kann.

Goldener Oktober im Val Bever

In Spinas heisst es nochmals Kräfte sammeln für den letzten, aber langen Anstieg zum Piz Padella. Mittlerweile sind meine Beine schwer wie Blei, aber landschaftlich ist das Valleta da Bever so schön, dass die körperliche Erschöpfung zur Nebensache wird. Vom Piz Padella könnte ich auf direktem Weg nach St. Moritz absteigen. Ab Marguns wäre das allerdings reines Schotterstrassen-Gebolze. Deshalb steige ich nochmal kurz zur Corviglia auf und nehme den schönen Pfad zwischen Sass Runzöl und Sass da Muottas mit. Danach ist es nicht mehr weit bis zum Ziel St. Moritz, das ich nach 78 km, 5’050 hm und 10:45 h erreiche.

Hier geht’s zum Move (Movescount) und hier zur Aktivität (Strava).

Distanz: ca. 78 km

Auf-/ Abstieg: ca. + 5’000 / – 4’400 m

Schwierigkeit: T4 (überwiegend T2-T3)

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