GRATweg – von der Sassauna zum Girenspitz

Mittlerweile wohne ich schon seit einem halben Jahr in Schiers und trotz der verletzungsbedingten Zwangspause im Hochsommer, konnte ich viele, sehr viele Touren in meiner neuen Wahlheimat unter die Füsse nehmen. Insbesondere der nicht enden wollende Herbst bot ideale Bedingungen, um die Berge im Prättigau und den angrenzenden Regionen auszukundschaften. Ich kann schon jetzt sagen, dass ich in einem Paradies für Trailläufer gelandet bin 🙂 Abgesehen von den „Regenerationsrunden“ im Tal unter der Woche, war eigentlich jede Trainingsrunde genial! Und trotzdem gibt es ein paar Touren, die herausstechen, die ganz besonders schön sind. Die Sahnehäubchen-Touren also. Eine davon ist der GRATweg. Wer die Runde einmal abgelaufen ist, der weiss, warum ich sie so nenne, warum sie genau so heissen muss!

Zuerst ein knackiger 1700-HM-Anstieg

Los geht’s bei der Bäckerei Mühlbach in Schiers. Nebenbei gesagt, hier gibt es das beste Brot in der Region! Frisches St. Galler Ruchbrot mit Konfi oder Honig – so ist schon das Frühstück vor der Tour ein Highlight :-). Den Zucker braucht man aber auch, denn es geht gleich richtig zur Sache: man folgt dem Wegweiser Richtung Unter Pusserein und überwindet auf einem steilen Pfad eine Geländestufe. Hat man diese überwunden endet der Pfad auch schon wieder und man kommt nach Schiers-Montagna, ein paar Häuser oberhalb vom eigentlichen Dorfkern. Nach dem alles andere als gemächlichen Start, hat man jetzt die Gelegenheit seinen Rhythmus zu finden. Man folgt einem gleichmässig ansteigenden Asphaltsträsschen nach Pusserein, wo man in mehreren Kehren schon ordentlich Höhenmeter sammelt. Nach dem letzten Bauernhof endet die Asphaltstrasse und man biegt nach einem kurzen Stück auf Schotter links ab auf einen Pfad. Für mich der eigentliche Beginn der Tour. Der Pfad ist zwar ordentlich steil, aber ausser einer etwas unangenehme Lichtung (Mulfi), ist der Anstieg durch die zahlreiche Kehren sehr kurzweilig. Schneller als gedacht, hat man die Baumgrenze erreicht und die ersten 1000 Höhenmeter geschafft. Jetzt lohnt es sich kurz innezuhalten, denn der Blick ins Tal ist schon jetzt nicht schlecht und rechterhand sieht man den Bergrücken, auf dem man später wieder runterlaufen darf!
Nach einem etwas flacheren Abschnitt beginnt auf ca. 2000 m (Stelli) der Gipfelgrat hinauf zur Sassauna. Er ist nirgends schwer oder ausgesetzt, dafür richtig schön steil. Die Aussicht steigert sich mit jedem Höhenmeter, und auch wenn ich in diesem Jahr schon 21 Mal auf der Sassauna war, bin ich jedes Mal wieder aufs Neue vom Gipfelpanorama begeistert. Man steht vis-à-vis des imposanten Schesaplana-Massivs und der anderen Felsklötze des Rätikon – vom Falknis bis Sulzfluh! Calanda und Vilan scheinen ebenfalls zum Greifen nah und man kann das gesamte Prättigau überblicken.
Das Beste ist aber ist dieser endlose Grat, der sich hufeisenförmig von der Sassauna bis zum Girenspitz in nordöstlicher Richtung zieht und das Ziel der beschriebenen Tour ist.

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Blick auf den Grat von der Sassauna

Sassauna – Girenspitz: Auf Messer’s Schneide

Zwar gibt es auf dem Grat keinen Wanderweg mehr, dennoch sind meistens Trittspuren sichtbar. Die Orientierung ist ohnehin kein Problem, einfach immer dem Grat entlang ;-).
Der Gratweg ist nicht wirklich schwierig und es gibt nur ein paar ausgesetzte Stellen, trotzdem sollte klar sein, dass man sich ab der Sassauna nicht mehr im „Laufgelände“ bewegt. Die Schwierigkeit liegt – je nachdem wie konsequent man sich auf dem Grat hält – bei T4+ bis T5. Die ausgesetztesten Passagen befinden sich gleich zu Beginn. Wer es also bis zum Pfäwi schafft, der wird den restlichen Gratverlauf ohne Probleme geniessen können. Vorausgesetzt, man hat sich beim Anstieg auf die Sassauna nicht schon verausgabt! Der Grat ist zwar nur 4.5 Kilometer lang, aber das ständige Auf- und Ab im weglosen Geländer sollte man nicht unterschätzen. Insbesondere der letzte Anstieg zum Girenspitz ist nochmal richtig steil. Aber wenn man dann auf dem Gipfel steht und den Blick zurückschweifen lässt, sind alle Strapazen vergessen. Es sieht einfach spektakulär aus!

Der lange Rückweg

Nachdem man erneut die Aussicht genossen hat, beginnt der lange Abstieg. Zunächst folgt man dem Grat über den Vorgipfel des Girenspitz (Hochstelli), bis man wieder auf einen Wanderweg trifft. Jetzt gibt es 2 Möglichkeiten, um zurück nach Schiers zu gelangen. Entweder folgt man dem Wanderweg Richtung Westen, der sich eine „Etage“ unterhalb des Grat zurück zur Stelli schlängelt. Von dort dann wie im Aufstieg beschrieben bergab. Oder man folgt dem Grat, der immer mehr zum Bergrücken wird, hinunter nach Schuders.

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Es ist noch ein ganz schönes Stück…

Entscheidet man sich für diese Variante, ergibt das eine wunderbar logische Tour – man folgt dem kompletten U-förmigen Bergkranz. Etwas mühsam ist, dass sich der Abstieg ab Schuders noch ewig zieht. Man könnte zwar der Fahrstrasse folgen und so über die berühmte Salginatobelbrücke laufen. Ich empfehle trotzdem den etwas weiteren Weg durch den Schraubachtobel. Das ist zwar auch eine Schotterautobahn, doch das tief eingeschnittene Tal (Schlucht wäre übertrieben), hat auch etwas. Und wenn es doch zäh wird: einfach die Eindrücke der Tour Revue passieren lassen!

Distanz: ca. 22 km

Auf-/ Abstieg: ca. ± 2200 m

Schwierigkeit: T4+ – T5

6 Replies to “GRATweg – von der Sassauna zum Girenspitz”

    • Genau, Steve! Für kein Geld der Welt möchte ich darauf verzichten.
      Neidisch sein musst du nicht, die bayerischen Berge sind ja auch nicht schlecht 😉
      Ansonsten musst du halt mal ins Prättigau kommen!

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