DNF beim UTMB

Von Beginn an ein sinnloses Unterfangen

Normalerweise versuche ich nach einem Wettkampf meine Eindrücke so gut es geht zu beschreiben. Unabhängig davon, ob er gut oder schlecht verlaufen ist. Nach dem frühzeitigen Aus beim UTMB nach ziemlich genau 80 Kilometern fällt mir das schwer. Oder besser gesagt, ich bekäme keinen lesenswerten Rennbericht zustande. Von Anfang an lief es nicht wie erhofft. Zunächst dachte ich es liegt an der Hitze und habe die hoffentlich kühleren Temperaturen der Nacht herbeigesehnt. Es wurde zwar kühler, aber richtig ins Rennen gefunden habe ich trotzdem nicht. Im Gegenteil, es wurde immer mühsamer. Wenn ich jetzt an die Stunden in der Nacht zurückdenke, sehe ich immer die gleiche Szene: Ich trabe in völliger Dunkelheit auf einer eintönigen Fahrstrasse ein endlos langes Tal entlang, bis irgendwann einmal ein Wanderweg kommt, der über einen Pass führt. Danach das gleiche Spiel, wobei ich mich immer leerer und leerer fühle. Keine Lauffreude, keine Aussicht, keine Hochs und Tiefs. Mir erscheint alles so sinnlos.
In Courmayeur hat sich dann auch nicht die Frage gestellt: Weitermachen oder aufhören? Das Projekt UTMB war gescheitert. So einfach ist das.

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Auf Schotterautobahnen vor gigantischer Kulisse

Die Frage nach dem Warum

Natürlich hat mich das Aufgeben geknickt. Natürlich bin ich seither ständig am Grübeln. Wieso streiken Kopf und Körper ausgerechnet beim UTMB? Bei eigentlich allen Wettkämpfen in diesem Jahr haben sie doch so gut funktioniert!
Wahrscheinlich war das Hauptproblem, dass ich mit Zweifeln an den Start gegangen bin. Spätestens nach dem Irontrail war ich nicht mehr überzeugt, dass ich 170 (!!) Kilometer mit meiner Art Wettkämpfe zu laufen wirklich packe. Hinzu kam, dass der Ultratrail du Mont Blanc DAS Rennen schlechthin ist. Einfach an den Start gehen und sich allein auf das Durchkommen zu konzentrieren ging nicht. Es galt die grossen Erwartungen zu erfüllen. Ich sollte also bei meinem ersten Versuch über eine mir viel zu lange Distanz meine beste Leistung zeigen. Ein kompliziertes Unterfangen. Für mich war es zu kompliziert.

Wie geht es jetzt weiter?

Jetzt, wo ich diesen Bericht schreibe, weiss ich das noch nicht so genau. Meine Motivation dieses Jahr noch Wettkämpfe (ganz egal welche Distanz) zu bestreiten ist im Moment nicht sehr gross. Aber das kann sich natürlich schnell wieder ändern. Hoffe ich zumindest.
Und was ist mit dem UTMB 2017? Auch hier bin ich mir nicht sicher. Fakt ist, dass ich nach wie vor keine Ambitionen habe, Wettkämpfe mit deutlich mehr als 100 Kilometern zu bestreiten. Solange sich das nicht ändert, ist es wohl nicht klug den UTMB in Angriff zu nehmen. Andererseits werde ich diesen DNF nicht einfach so stehen lassen. Einmal muss ich den UTMB finishen. Die Frage ist nur: Wann?

4 Replies to “DNF beim UTMB”

  1. Repekt vor dieser ehrlichen Entscheidung als Profi, denn da sind die Erwartungen natürlich viel höher als bei einem „Normalo“ !!!

    Kopf hoch und Fokus auf die kommenden Projekte! Ein Herbstklassiker in Italien geht doch immer oder?! 😉

    Sportliche Grüße!
    BiaTrail

  2. Kopf hoch Stephan. Unser Sport ist eine Gratwanderung. Manchmal wissen wir nicht wieso es nicht läuft. Aber nur wers probiert kann scheitern.
    Aufstehen, Krone richten, Staub abwischen und weiter gehts.

    Wünsche gute erholung.

    Gruss aus dem Berner Oberland
    Urs Jenzer

  3. Hut ab vor dieser Entscheidung Stephan und danke für diesen, wie immer, sehr ehrlichen und direkten Beitrag.

    Ich hatte das Gefühl 2013 auch schon einmal bei einem Wettkampf. Bin dann auch bei der Hälfte (27km) ausgestiegen, da es einfach keinen Spaß mehr gemacht hat.
    Danach habe ich eine Pause (glaube so 2-3 Wochen) eingelegt und dann ging es wieder gut weiter.

    Wenn du keine Lust auf 100+ hast, dann lass es einfach.
    Wenn es unbedingt der Mont Blanc sein soll, dann stellt vielleicht eine andere Strecke des UTMB die Alternative für 2017 dar.

    Aber es gibt ja auch noch so viele andere Rennen…
    …du machst das schon!

    Ich wünsche dir eine gute Erholung und eine entspannte Zeit nach dem UTMB

    Viele Grüße aus Bend, Oregon

    Steve

  4. Ich hatte die ersten ~50km auch den Eindruck, dass die Strecke sehr langweilig ist. Ich bin weiter hinten im Feld gelaufen und hatte dabei noch mit dem aufgewirbelten Staub der Masse von Laeufern zu kaempfen. Ich hatte mir mehrmals zwei Fragen gestellt:
    1) Ist diese Strecke wirklich auf diese Anzahl von Laeufer ausgelegt?
    2) Hat man in dieser traumhaften Gegend wirklich eine solche langweilige Strecke auswaehlen muessen.

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