Back on Track

Als ich den letzten Beitrag geschrieben habe, war ich ziemlich frustriert. Mein Arzt hat mir damals – es war Anfang August, also mitten im Sommer – geraten die Wettkampfsaison zu beenden. Nicht um die Verletzung an meiner Leiste auszukurieren, sondern um die extremen Muskelverkürzungen und -verhärtungen in den Griff zu bekommen. Die sind nämlich die Ursache für meine vielen Verletzungen.
Vielleicht hat mein Arzt damals sehr dick aufgetragen, um mich wach zu rütteln. Als Läufer kann man halt nicht nur laufen. Stabi-Übungen, Dehnen, ausrechend Regeneration, Alternativtraining, und so weiter gehören halt auch dazu. Die Botschaft ist in jedem Fall angekommen und seit dem Termin im August mache ich fleissig Kraftübungen, dehne mich, gehe zur Physio und ausserdem habe ich mir eine Blackroll gekauft. Ok, ich muss zugeben, dass es keine „richtige“ Blackroll ist, sondern eine grüne, weichere Variante. Aber selbst die hat mir anfangs vor Schmerzen die Tränen in die Augen getrieben. Ja, meine Muskulatur war in keinem guten Zustand…

Zum Glück haben diese „Massnahmen“ schnell für spürbare Verbesserung gesorgt und schon Ende August konnte ich wieder anfangen zu laufen. Seither ist es weiter bergauf gegangen und nachdem ich meine erste 3000-hm-Tour auf den Pizol gut weggesteckt habe, war es an der Zeit die radikale Wettkampfplanung zu überdenken…
Als Wiedereinstieg hat sich der Arosa Trailrun geradezu aufgedrängt: Schnell zu erreichen (Arosa liegt Luftlinie nur 20 km von Schiers entfernt), mit 53 km und 3300 hm nicht allzu heftig und vor allem verspricht die Strecke genial sein.

Streckenkarte AT46

Streckenkarte AT46

Bis zuletzt war ich mir unsicher, es wirklich zu wagen. Aber eigentlich war es doch klar, dass ich am frühen Samstagmorgen nach Arosa fahren würde. Und so war es dann ja auch.
Meine Stimmung vor dem Start war anders als sonst. Neben der gewöhnlichen Mischung aus Nervosität und Vorfreude, war dieses Mal eine grosse Portion Unsicherheit und ich würde sagen Angst dabei: Was passiert, wenn ich unterwegs wieder Schmerzen bekomme? Fängt dann alles wieder von vorne los? Irgendwann habe ich mich gezwungen nicht mehr an diesen GAU zu denken – jetzt war es eh zu spät.
Das Rennen verlief dann so, wie es mir als Idealfall vorgestellt habe: Meine Beine haben sich zwar nicht so leichtfüssig angefühlt wie z.B. beim Scenic Trail. Aber den Umständen bzw. der Vorgeschichte entsprechend hätte es trotzdem nicht besser laufen können – insbesondere, weil ich fast keine Schmerzen in der Leistengegend verspürt habe! Die Strecke hat meine Erwartungen ebenfalls übertroffen. Vor allem der zweite Teil der (etwas verunstalteten) Acht über Tiejer Fürggli, Schwifurgga, Chörbsch Horn und Latschüelfurgga (die Orte heissen wirklich so 😉 ) gehören zum Besten, was ein Trail-Läufer unter die Füsse nehmen kann!

eeee

Fantastische Ausblicke auf der Strecke (Foto: Michael Gisler)

Eine gute Platzierung war bei diesem Rennen definitiv nicht mein Hauptziel. Trotzdem habe ich mich ganz besonders über den Sieg gefreut. Es war nicht mein grösster Erfolg, aber für den Kopf eines meiner wichtigsten!
Das Podium bei den Männern komplettiert haben die Schweizer Marco Gazzola und Roman Nef. Bei den Damen ging der Sieg an Corine Kagerer vor Claudia Kahl und Barbara Götz.

Neben der grandiosen Strecke war auch die Organisation (nahezu) perfekt. Ein ganz grosses Lob an das Team um Thomas Häring! Einziger Verbesserungsvorschlag: die Streckenmarkierung könnte abschnittsweise noch eindeutiger sein.

Fotos: Matthias Dippacher und Michael Gisler

6 Replies to “Back on Track”

  1. Geil Stephan!
    Freut mich solch positive Neuigkeiten von dir zu lesen.
    Ich denke es wird einen „tieferen“ Sinn gehabt haben, den UTMB dieses Jahr „ausfallen“ zu lassen und sich Neuem (u.a. der Blackroll) zuzuwenden. 😉

    Weiterhin alles Gute Stephan…
    …du machst alles richtig!

    Viele Grüße

    Steve

  2. Cool, Stephan! Gratuliere nochmals auf diesem Weg zu deiner super Leistung – und deine Worte sind für den einen oder die andere vielleicht auch Inspiration und Motivation. Happy trails weiterhin!

  3. Habe im Trailmagazin von deinen Leistenproblemen gelesen, überhaupt zum ersten Mal in der Presse. Kann dir aus eigener Erfahrung nur Wünschen dass du das gebacken bekommst! Habe selbst a.d.Leiste eine Knochenhaut-Muskelfaser-anriss, schaut auf dem CT aus wie ein Bauchschuss… Trotzdem Halbmarathon gelaufen, muss jetzt aber 2-3Monate pausieren. Es gibt keine Medikamente dafür nur Vitamin D zur Unterstützung. Ich bin Baujahr 1956, in deinem Alter ist man wieder schneller in Schuss .
    Für dich nur das Beste für die Zukunft. Liebe Grüße Rudi

    • Danke dir, Rudi. Inzwischen habe ich keine Leistenschmerzen mehr – sonst wäre ich auch nicht in Arosa gestartet.
      Ich wünsche dir auch alles Gute. 2-3 Monate sind schneller rum, als man denkt.
      Viele Grüsse, Stephan

  4. Pingback: Goldener Oktober an einem grauen Nebeltag | Stephan Hugenschmidt

  5. Pingback: Rennbericht Ultra Trail Lago d’Orta | Swiss Ultra Trail

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.