Auszeit

Fast ein Jahr ist es her, seit ich bei der Swiss Trail Tour das letzte Mal eine Startnummer angezogen habe (Skitourenwettkämpfe ausgenommen). Um es vorweg zu nehmen: es lag nicht an einer Verletzung. Weil ich in letzter Zeit öfters auf meine Wettkampfpause angesprochen werde, möchte ich versuchen die Gründe dafür aufzuzeigen. Ein richtiger Wettkämpfer war ich noch nie. Für mich ist der Sport viel mehr als nur «Trainieren, um bei Rennen X Ziel Y zu erreichen». Ich bin einfach wahnsinnig gerne draussen in den Bergen unterwegs und ziehe so oft es geht Tourenski oder Trailrunning-Schuhe an. Wettkämpfe waren für mich immer Nebensache. Wenn mich eine Strecke gereizt hat, ich mich gut gefühlt habe und mich im Idealfall nachmelden konnte, dann habe ich gerne eine Startnummer angezogen. Viele Rennen verliefen sehr gut und durch diese Erfolge bin ich ungewollt in den Fokus gerutscht. Immer mehr Veranstalter haben mich eingeladen, vor den Rennen wurde ich öfters als Favorit gehandelt und auf Facebook bekomme ich ständig Freundschaftsanfragen von Personen, die ich persönlich gar nicht kennne. All das war und ist mir sehr unangenehm. Und blöderweise habe ich mich dadurch auch bei Wettkämpfen angemeldet, auf die ich eigentlich gar keine Lust habe. UTMB oder Lavaredo zum Beispiel. Ersterer endete mit einem DNF, bei letzterem war das Ergebnis zwar gut, aber er hat mich und die Motivation Wettkämpfe zu laufen völlig zerstört. Ein weiterer Grund für meine «Abstinenz» sind frühere Erfolge. Wenn ich an den Start gehe, werde ich natürlich an meinen früheren Leistungen gemessen. Damals gab es ein paar Läufe, bei denen einfach alles perfekt war, wo ich mich extrem gut gefühlt habe. Ich spüre, dass ich im Moment nicht an diese Leistungen anknüpfen kann. Das ist nicht weiter tragisch, fit bin ich ja immer noch. Aber ich möchte diesen Erfolgen nicht hinterherlaufen. Beispiel Eiger Ultratrail: Dort hatte ich den Lauf meines Lebens und konnte in 11:02 h mit neuem Streckenrekord gewinnen. An diese Zeit komme ich nie mehr ran. Würde ich trotzdem starten, könnte ich an einem super Tag vielleicht 11:30 h laufen, womit ich an für sich sehr zufrieden wäre. Aber natürlich würde man das mit meiner alten Zeit vergleichen und feststellen, dass ich eine halbe Stunde (!) langsamer geworden bin. Ich könnte also nur verlieren.

Und letztlich kann ich ohne Wettkämpfe viel öfters unterwegs sein. Vor einem Rennen sollte man wenig machen, um fit an den Start gehen zu können (= «tapern»), danach ist man ausgelaugt und muss sich erholen. Insgesamt also drei blockierte Wochenenden, an denen man sonst jede Menge Touren machen könnte. Natürlich sind Rennwochenenden auch schön. Man trifft jede Menge Gleichgesinnte und das Gefühl nach einem erfolgreichen Lauf die Ziellinie zu überqueren ist grossartig. Aber unterm Strich kann ich an drei Wochenende ohne Startnummern mehr erleben.

Die (vermutlich) einzige Ausnahme diesen Sommer war der Trail du Besso. Dieser Wettkampf ist aber auch kein «normaler» Ultratrail. Die Strecke ist äusserst technisch, führt durch hochalpines Terrain in Mitten der Walliser 4000er und es müssen brutal viel Höhenmeter auf relativ kurzer Distanz erklommen und vernichtet werden. Das ist in dieser Form einzigartig. Als sich dann mein Vater angemeldet hat, musste ich einfach auch mitmachen. Wie es lief, berichtet dieses Mal mein Vater: klick.

One Reply to “Auszeit”

  1. Lieber Stephan

    Durch Zufall kam ich auf Deine Homepage. Dein Artikel über Deine Wettkampfauszeit hat mich sehr gefreut und imponiert. Ich war früher ein sehr erfolgreicher Spitzenruderer. Habe nach meiner Aktivzeit im Rudern auf Langlaufen und Joggen gewechselt. Das Rudern habe ich nie aufgegeben. Habe z.B. den Swiss Alpne Marathon in Davos 21 mal gefinischt. Mit ca. 58 Jahren bin ich durch Kollegen zum Trailrunning gestossen. Habe viele grosse Trails, wie UTMB, 3 mal La Réunion und viele mehr gefinischt. meine Leidenschaft gehöhrt dem Sport und den Sportlern. So gebe ich heute noch mit bald 70 Jahren den Jungen Zürcherruderern, als Basler Langlaufunterricht. Genau das was Du hier schreibst, betreffend Einstellung zum Wettkampf ist meine Philosphi. Du als Spitzenläufer, läufst nicht um den Erfolgswillen,(in die Presse kommen) sondern aus Liebe zur Bewegung und Natur. Ich habe viele Sportevents in der ganzen Welt absolviert, aber das Erlebnis und die Sportfaszination und Freundschaft standen für mich immer im Fordergrund.
    Herzliche Gratulation für Deine Leistungen und Dir alles Gute im noch jungen Leben.
    Roland Breitenmoser

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