Adamello Skiraid: ein richtiges Skitourenrennen!

Nach der Ramskull Trophy war erst einmal eine Durststrecke zu überwinden. Zunächst wurde ich krank und kurz nachdem ich wieder gesund war, bin ich heftig gestürzt. 2 Rippen und die rechte Schulter waren etwas ramponiert, so dass an Skitourengehen erst mal nicht zu denken war. Ich war sogar skeptisch, ob ich bis zum Höhepunkt der Skitourensaison, dem Adamallo Skiraid, wieder fit bin. Aber die Verletzungen sind so schnell verheilt, dass das überhaupt kein Thema war. Das grössere Problem war eigentlich der viel zu warme und schneearme Winter. Richtige Skitouren im Gelände waren nur eingeschränkt möglich und so blieb nichts anderes übrig als auf den Davoser Skipisten zu trainieren. Aber auch das hat seinen Charme, insbesondere wenn man noch vor dem Skibetrieb ganz alleine unterwegs ist!

Vorfreude ist gross

Unterm Strich habe ich mich vor dem Wettkampf sehr gut gefühlt. Etwas Bammel hatte ich, weil das Rennen richtig anspruchsvoll ist und sich im hochalpinen Gelände meist über 3000 m abspielt. Nicht meine Stärke wie ich spätestens nach der Ramskull Trophy weiss 🙂 Zudem ist mein Teampartner, Reto, genau bei solchen Sachen sehr stark und dass er top in Form war, hat er eine Woche zuvor mit seinem 2. Platz bei der Trofea Pez Ault bewiesen. Es sollte also ein anstrengender Tag für mich werden.
Nach einer zumindest für mich zwar kurzen aber erholsamen Nacht, ging es zunächst mit der Gondel zum Start auf dem Passo Tonale. Es war zwar noch dunkel, aber man konnte schon erahnen, dass die Berge in den Wolken stecken und der Wind hat auch schon ordentlich geblasen. Die eher durchwachsene Wetterprognose sollte also eintreffen.

Vernünftiger Start

Nach dem Start musste erst ein kurzes Stück auf einer flachen, breiten Kunstschneepiste zurückgelegt werden. Das war ideal, weil sich das Feld so auseinanderziehen konnte und man keine Platzangst bekommen musste. Wie zuvor besprochen, habe ich mich von Anfang an hinter Reto gehängt. Er sollte das Tempo bestimmen. Der erste Anstieg verlief genau nach Plan. Reto lief zügig, aber dosiert und wir konnten Plätze gut machen, ohne unsere Kräfte für die bevorstehenden Anstiege zu verpulvern. Beim gestrigen Briefing hat sich Reto gewundert, warum ausdrücklich vor der ersten Abfahrt gewarnt wurde. Er kannte die Strecke von einer früheren Teilnahme und besonders schwer war die Abfahrt damals eigentlich nicht. Jetzt war klar, was los ist: Es hat so wenig Schnee, dass man im Slalom um Steine und Felsen fahren musste. Es ging alles gut und wir konnten den zweiten Anstieg in Angriff nehmen. Durch die unzähligen Spitzkehren und den sehr rutschigen Verhältnissen, war er nicht einfach zu laufen. Zudem hat man mittlerweile die 3000 m Marke geknackt. Die Luft war dementsprechend merklich dünner und der Wind hat unangenehm aufgefrischt. Also haben wir vor der nächsten Abfahrt unsere Windjacken angezogen.

Beim ersten Ausftieg

Die Höhe macht sich bemerkbar

Beim Anstieg zum Cresta Croce mit der berühmten Kanone musste Reto das Tempo drosseln. Sein Magen fing an Probleme zu machen und er fühlte sich nicht mehr so gut. Zunächst dachten wir das ist ein kleiner Durchhänger, doch leider wurde es immer schlimmer. Ich habe versucht ihm gut zuzureden, aber viel geholfen hat das nicht. Höchstwahrscheinlich war die Höhe der Grund für seine Krise und dagegen kann man nichts machen ausser wieder abzusteigen. Blöd also, dass die Strecke vorerst jenseits der 3000 m Marke blieb. Der höchste Punkt lag sogar noch vor uns, auch wenn wir den Gipfel des Adamello wegen Schneemangel gar nicht besteigen konnten. Zum Glück hatten wir ein Seil dabei, mit dem ich Reto „abschleppen“ konnte. Auch wenn er nach wie vor leiden musste, hat das zumindest etwas gebracht. Es war auch beeindruckend wie er mit der Situation umgegangen ist. Kein Jammern, kein Gedanken ans Aufgeben, einfach weiterlaufen. Und so haben wir uns tapfer bis zum letzten Anstieg durchgekämpft. Blöderweise lag jetzt nicht nur eine flotte Abfahrt vor uns, sondern auch eine lange, lange Tragepassage. Es hatte einfach viel zu wenig Schnee. Aber wider Erwarten war es halb so wild die 5 km mit den Skiern auf dem Buckel zu laufen. Es ging schliesslich nur bergab und Reto hat sich auch wieder gefangen. Klar, das Ziel lag ja auch auf nur 1200 m.

Lange Abfahrt, wenig Schnee

Letztendlich erreichten wir nach knapp 6.5 h das Ziel in Tonale. Obwohl es nicht so lief wie geplant, glücklich und zufrieden. Auch wenn es für mich kein richtig harter Wettkampf war, so war es doch eines der besten Tage auf den Tourenskiern! Die Atmosphäre und die spektakuläre Strecke waren einzigartig und ich konnte sie in vollen Zügen geniessen.

Reto und ich im Ziel

Hier geht’s zur Internetseite des Veranstalters

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